ALfA-Newsletter 05/08 vom 01.02.2008
Themenübersicht
- Stammzellen-Debatte: Stammzellforscher Schöler kritisiert Kirchen und beklagt Misstrauen gegen Forscher
- Menschenwürdeschutz in Frage gestellt: Streit um Vizepräsidenten-Kandidaten für Bundesverfassungsgericht
- ALfA-Regionalverband München: Neuwahlen von Vorstand und Bundesdelegierten
- Besonderer Veranstaltungshinweis: Gebetszug "1000 Kreuze für das Leben" am 8. März in Münster
- Was sonst noch lief: Weitere lesenswerte Artikel zum Lebensrecht
ALfA-Terminservice
- 07. - 09. Februar 2008, Oberhausen (Ruhrgebiet): Mitarbeiter gesucht für ALfA / TCLRG -Stand beim Willow-Creek-Kongreß
- 07. Februar 2008, Freiburg: Vortrag: "Die Beobachtungspflicht des Bundesgesetzgebers zur Abtreibungssituation und das Weigerungsrecht, bei vorgeburtlichen Kindestötungen mitzuwirken" (Forum Lebensrecht Freiburg)
- 22. Februar 2008, Freiburg: Lebensschutz-Demonstration (ALfA-RV Freiburg)
- 29. Februar - 01. März 2008, Dresden: Tagung "Da stimmt doch was nicht..." - Logik, Praxis und Folgen vorgeburtlicher Diagnostik
- 01. März 2008, Kassel: Forum des Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen
- 08. März 2008, Münster: Gebetszug "1000 Kreuze für das Leben"
- 27. - 29. März 2008, Kassel: Christlicher Gesundheitskongress
- 11. April 2008 Osnabrück: Biopolitik-Ringvorlesung - Vortrag "Biopolitik. Sozialethische Probleme des Lebensschutzes" (Universität Osnabrück)
- 02. - 03. Mai 2008, Köln: Jahrestagung der Juristenvereinigung Lebensrecht
- 16. Mai 2008 Osnabrück: Biopolitik-Ringvorlesung - Vortrag "Ich habe abgetrieben - Was dann?" und "Diagnostik und Therapie des Post-Abortion-Syndroms" (Universität Osnabrück)
- 30. Mai - 01. Juni 2008: Bundesdelegiertenkongress der ALfA
Den ausführlichen Terminkalender mit Details zu diesen und weiteren Veranstaltungen finden Sie unter Termine
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1.Stammzellen-Debatte: Stammzellforscher Schöler kritisiert Kirchen und beklagt Misstrauen gegen Forscher
Berlin / Münster (ALfA). Der Stammzellforscher Hans Schöler, Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster, hat sich im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa am 28. Januar über das Misstrauen gegenüber Wissenschaftlern und die derzeitige Stichtagsregelung beklagt. "Die jetzige Stichtagsregelung drückt ein abgrundtiefes Misstrauen gegen uns Wissenschaftler aus. Das ist ganz und gar nicht gerechtfertigt", so Schöler wörtlich. Zur Frage warum eine Verschiebung des Stichtags aus wissenschaftlicher Sicht so wichtig sei, erklärte er: "Die vor dem 1. Januar 2002 gewonnenen Stammzellen sind einfach nicht gut genug, um an ihnen die anstehenden biologischen und medizinischen Fragen zu beantworten". Im Widerspruch zu dieser Aussage erhielt Schöler drei Tage nach dem Interview, am 31. Januar, vom zuständigen Robert Koch Institut die Genehmigung für den Import neuer humaner embryonaler Stammzellen. Bemerkenswerterweise entschied sich Schöler ausgerechnet für die Einfuhr der ältesten embryonalen Stammzelllinien, die 1998 von dem Forscher James Thomson als erste hES-Linien der Welt publiziert worden waren.
Im Interview kritisierte Schöler auch die Haltung der katholischen Kirche und einiger Politiker und warf ihnen vor, sich mit dem Thema vor allem öffentlich profilieren zu wollen. Denn in Wirklichkeit gebe es in Deutschland Probleme, bei denen sich viel dringlichere ethische Fragen stellten als bei der Stammzellforschung. "Ich denke da zum Beispiel an die 200.000 Abtreibungen jährlich und die Tatsache, dass auch heute noch viele dieser Föten sterben müssen, weil sich die betroffenen Paare nicht in der Lage sehen, das Kind unter sozial schwierigen Umständen groß zu ziehen", so Schöler. Seiner Meinung nach würden die katholische Kirche und auch einige Politiker sicher viel lieber über diesen Konflikt sprechen, jedoch sei beiden "offensichtlich klar, dass man mit diesem Thema heute - zumindest in Deutschland - nicht mehr gehört wird." Zudem würde seiner Einschätzung nach die katholische Kirche mit einer offenen Kritik an Zuspruch und Anhänger verlieren. Folglich werde nun stellvertretend die Stammzellforschung als Thema aufgegriffen. Dies sei momentan ein Feld, auf dem man scheinbar einfach und ohne großes Risiko über Ethik diskutieren und sich ins Gespräch bringen könne. Einen ausführlichen lesenswerten Kommentar zu den Äußerungen Schölers gibt es in der katholischen Tagespost vom 31. Januar (siehe unten).
Zu Schölers Kritik an der Stichtagsregelung erklärte die Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht (BVL), Dr. med. Claudia Kaminski, in einer Pressemitteilung vom 29. Januar, Schöler verschweige die wahren Gründe, die einige Forscher bewegen, die Verschiebung oder gar Abschaffung des geltenden Stichtag zu fordern. "Es geht nicht darum, dass die vor dem 1. Januar 2002 hergestellten Stammzellenlinien für die Forschung wertlos wären, sie sind manchen nur zu kostspielig", so Kaminski. Als Kronzeuge für diese Behauptung dient dem Bundesverband Lebensrecht niemand anderes als Schöler selbst. Am 20. März 2007 hatte Schöler in einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt: "Viele dieser Linien unterliegen einem sehr engen Patentschutz und das macht es schwierig, mit diesen Linien zu arbeiten, insbesondere wenn es in Therapie orientierte Forschung geht." Dass die vor dem geltenden Stichtag etablierten Stammzellen für die Forschung - anders als jetzt behauptet - durchaus brauchbar sind, hatte im vergangenen Jahr auch Schölers Kollege, der Bonner Stammzellforscher Oliver Brüstle eingeräumt. Gegenüber der Wirtschaftwoche (19/2007) erklärte Brüstle: "Natürlich lassen sich an diesen Zellen noch neue Methoden entwickeln und erproben."
"Fakt ist: Auch in Ländern, die keine Stichtagsregelung kennen und daher prinzipiell Zugriff auf auch neuere Stammzelllinien besitzen, arbeiten Forscher nach wie vor mit den vor dem 1. Januar 2002 hergestellten Stammzelllinien; vermutlich weil sie inzwischen zu den meist erforschten und an bestem charakterisierten Zellen zählen", erklärte Kaminski weiter. Die BVL-Vorsitzende forderte "mehr Ehrlichkeit" in der Stammzell-Debatte. Dazu gehöre auch "klar zu sagen, dass die embryonale Stammzellforschung, für die menschliche Embryonen getötet werden müssen, mit zusätzlichen bislang ungelösten Probleme behaftet ist, wie der hohen Abstoßungsgefahr und des enormen Krebsrisikos des aus embryonalen Stammzellen gezüchteten Gewebes", so Kaminski.
Die Zitate von Schöler, Brüstle und weiteren Forschern können auf der vom BVL initiierten Kampagnen-Webseite www.deinestammzellenheilen.de nachgelesen werden. Hier sprechen sich auch Prominenten gegen eine Stichtagsverschiebung und für die Förderung der ethisch unbedenklichen Forschung mit adulten Stammzellen aus.
Weitere Informationen:
- Stammzellendebatte: "Misstrauen gegen Wissenschaftler ist ungerecht"
Münster. Der Stammzellforscher Hans Schöler spricht über Kirche, Krankheit und Konfrontationen in der aktuellen Debatte zur Erweiterung des Stammzellengesetzes. Er ist sich sicher: kommt der Erfolg, gibt es auch Akzeptanz von der Kirche.
DER WESTEN 28.01.08
- Der große Herr S. und seine mikroskopisch kleine Welt
Von Stefan Rehder
Der Stammzellforscher Hans Schöler beklagt das "abgrundtiefe Misstrauen", das hierzulande Wissenschaftlern entgegengebracht werde und attackiert obendrein gleich die katholische Kirche äußerst heftig. Wie be- oder unberechtigt sind Schölers Angriffe auf die Kirche und das Misstrauen gegenüber Forschern? Eine Analyse.
DIE TAGESPOST 31.01.08
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2. Menschenwürdeschutz in Frage gestellt: Streit um Vizepräsidenten-Kandidaten für Bundesverfassungsgericht
Karlsruhe / Berlin / Würzburg (ALfA). Die Nominierung des Würzburger Juristen Horst Dreier für die anstehende Wahl zum Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts am 15. Februar sorgt für Spannungen zwischen SPD und Union. Hintergrund der Auseinandersetzung um den von Seiten der SPD vom Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen, vom SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Peter Struck und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries vorgeschlagenen Staatsrechtsprofessor sind seine umstrittenen Thesen zur Menschenwürde. Dreier hält in einem von ihm verfassten Kommentar zum Grundgesetz die Menschenwürde unter bestimmten Umständen für abwägbar gegen andere Rechtsgüter. So kann seiner Ansicht nach Folter unter bestimmten Umständen erlaubt sein. Auch beim Embryonenschutz und anderen bioethischen Themen vertrat er als Mitglied im ehemaligen Nationalen Ethikrat eine liberale Haltung.
Die Union will nun Medienberichten zufolge die Wahl Dreiers verhindern, da sich seine inhaltliche Positionen zum Lebensschutz und zum Thema Folter mit christlich-demokratischen Grundwerten nicht vereinbaren ließen. Zuvor hatte auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem offenen Brief an die Zuständigen appelliert, von einer Wahl Dreiers wegen seiner Haltung zur Folter abzusehen. Auch von Seiten der Grünen und den Linken gab es massive Kritik an dem SPD-Vorschlag. Die SPD will jedoch weiter an Dreiers Wahl zum Nachfolger des Ende Februar ausscheidenden Vizepräsidenten Winfried Hassemer festhalten. Zur Richterwahl ist im dafür zuständigen Wahlausschuss allerdings eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich, so dass sich die Große Koalition auf einen Kandidaten verständigen muss. Nach der Wahl zum Vizepräsidenten des zweiten Senats würde Dreier nach dem Ausscheiden von Hans-Jürgen Papier in zwei Jahren aller Voraussicht nach zum Präsidenten des Karlsruher Gerichts aufrücken. Sein Einfluss an dieser Stelle wäre damit groß. SPD und Union wollen sich nun nächste Woche zu weiteren Gesprächen treffen und weiter verhandeln. Allerdings müsse die SPD einen neuen Kandidaten-Vorschlag machen.
Der CDU-Abgeordnete und Berichterstatter für Bioethik und Gentechnik der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Gesundheit, Hubert Hüppe, verdeutlichte in einer Pressemitteilung vom 31. Januar, was die Wahl Dreiers für Konsequenzen hätte. "Die Wahl des wegen seiner Menschenwürde-Thesen umstrittenen Juristen Dreier zum Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts würde einen radikalen Kurswechsel bedeuten. Es wäre bedenklich, wenn die SPD auf ihrem Vorschlag beharren würde. Das Bundesverfassungsgericht ist der höchste Wächter unserer Verfassung und ihres Kerns, der unantastbaren Würde des Menschen. Die Würde des Menschen verträgt weder Abstufungen noch Einschränkungen. Vielmehr sagt das Grundgesetz klar: "Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Parteitaktische Erwägungen haben dahinter zurückzustehen", so Hüppe.
Weitere Informationen:
- Bundesverfassungsgericht: Parteienstreit um höchstes deutsches Richteramt
Der Koalition in Berlin droht eine erneute Belastungsprobe. Durch eine Indiskretion sickerte durch, dass die SPD den Würzburger Professor Horst Dreier an das Bundesverfassungsgericht berufen möchte, bevor dies mit der Union abgestimmt worden war. Jetzt stellen sich die Richtermacher der CDU quer.
WELT Online 01.02.08
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3. ALfA-Regionalverband München: Neuwahlen von Vorstand und Bundesdelegierten
München (ALfA). Der ALfA-Regionalverband München hielt am 29. Januar in der Pfarrei St.Stephan in München-Sendling seine jährliche Mitgliederversammlung ab. Dabei wurde der Vorstand nach dreijähriger Amtsperiode neu gewählt. Erste Vorsitzende wurde erneut Antonia Egger, Regina Dehler und Christina Agerer-Kirchhof wurden erste bzw. zweite Stellvertreterin. Zum Schriftführer wurde Magnus Brachat gewählt, Schatzmeister wurde Michael Rupp. Beisitzer wurden Maria Grundberger, Ingeborg Rupp, Annette Felix-Lee, Gabriele Burkhardt, Dr. Margarete Sedlmeyer.
Ebenso wurden nach dreijähriger Amtsperiode die Bundesdelegierten und Ersatzdelegierten neu gewählt. Delegierte sind nun Antonia Egger kraft Amtes, Gabriele und David Burkhardt sowie Inge und Michael Rupp. Ersatzdelegierte wurden Regina und Markus Dehler, Magnus Brachat, Dr. Christina Agerer-Kirchhoff und Dr. Sebastian Sigler.
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4. Besonderer Veranstaltungshinweis: Gebetszug "1000 Kreuze für das Leben" am 8. März in Münster
Münster (ALfA). In Deutschland sterben an einem gewöhnlichen Arbeitstag etwa 1000 ungeborene Kinder. Aus diesem Anlass veranstalten die deutsch-polnische Jugendgruppe "Adler", "Euro Pro Life" (Europäische Stimme der ungeborenen Kinder: "Protect our Life") und das Lebenszentrum München am 8. März in Münster einen Gebetszug "1000 Kreuze für das Leben". Die Veranstalter wollen zusammen mit einem Kreuz in der Hand betend, singend und schweigend Zeugnis geben. Beginn ist um 15.30 Uhr am Domplatz, Ende ist ca. 17.30 Uhr. Die Jugendgebetsgruppe Adler hat für Auswärtige für den 8. März Buslinien von verschiedenen Orten nach Münster organisiert.
Kontaktadressen für Fragen zur Veranstaltung und Infos zu den Buslinien finden Interessierte hier im Veranstaltungskalender.
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5. Was sonst noch lief: Weitere lesenswerte Artikel zum Lebensrecht
Auf der Webseite der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA) finden Sie in der Rubrik Presse/Publikationen unter "Pressespiegel" wöchentlich aktualisiert zahlreiche Links zu interessanten Online-Artikel zu sämtlichen Themen des Lebensrechts. Dort gibt es u.a. folgende Artikel:
- Papst fordert ethische Kriterien in biomedizinischer Forschung
Vatikanstadt - Papst Benedikt XVI. hat den Respekt der Menschenwürde und des Lebensschutzes in der biomedizinischen Forschung angemahnt.
DEUTSCHES ÄRZTEBLATT 31.01.08
- Stammzellen: Rot-weiß-rote Grauzone
Österreich: (Fast) alle Parteien bejahen die Forschung an embryonalen Stammzellen. Wann kommt ein Gesetz?
DIE PRESSE 30.01.08
- Gute Ansätze jenseits der Stammzellforschung
Von Katrin Grüber
Vor ungefähr sechs Jahren verabschiedete der Bundestag nach einer kontroversen und ausführlichen Debatte das Stammzellgesetz, das die Einfuhr von embryonalen Stammzellen unter bestimmten Bedingungen zulässt.
NEUES DEUTSCHLAND 01.02.08
- Lebensschutz entzweit britische Regierung
Minister sprechen sich gegen Hybrid-Embryonen und künstliche Befruchtung lesbischer Paare aus
Von Gaby Mahlberg
DIE TAGESPOST 31.01.08
- Der Vatikan startet weltweite Lebensschutz-Kampagne
Kurienkardinal Lopez Trujillo will Politiker für Moratorium zur Abtreibung gewinnen.
KATH.NET 27.01.08
- Abtreibung: Polen will neues Gesetz
Polens neue Regierung will das Abtreibungsgesetz des Landes reformieren.
DIE TAGESPOST 31.01.08
Weitere lesenswerte Artikel finden Sie im ALfA-Online-Pressespiegel
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Herausgeber:
Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V.
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D-86152 Augsburg
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