19.11.11 23:41

ALfA-Newsletter 44/11 vom 19.11.2011

Kategorie: Newsletter

Themenübersicht

  1. Ausgeträumt: Erste klinische Versuche mit embryonalen Stammzellen eingestellt
  2. Neues EU-Forschungsrahmenprogramm: EU-Kommission will verbrauchende Embryonenforschung fördern
  3. Kurz gemeldet: Dr. Peter Liese zum Berater der Unterkommission Bioethik der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz ernannt
  4. Was sonst noch lief: Weitere lesenswerte Artikel zum Lebensrecht

ALfA-Terminkalender

  • 23. November, Mannheim: Werkstatt Leben. Bedeutung der Synthetischen Biologie für Wissenschaft und Gesellschaft (Deutscher Ethikrat)
  • 11. Dezember: Weltweites Kerzenleuchten für verstorbene oder verloren gegangenen Kinder
  • 16. - 18. März 2012, Bad Staffelstein: Regionalverbandsseminar für RV Vorsitzende und Aktive im RV
  • 04. - 05. Mai 2012, Königswinter: Öffentliche Tagung der Juristen-Vereinigung Lebensrecht (JVL)
  • 18. - 20. Mai 2012, Celle: Vita L Seminar
  • 01. - 02. Juni 2012: Bundesdelegierten-Versammlung der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA)

Den ausführlichen Terminkalender mit Details zu diesen und weiteren Veranstaltungen finden Sie unter Termine.
 

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1. Ausgeträumt: Erste klinische Versuche mit embryonalen Stammzellen eingestellt

Menlo Park / Straßburg (ALfA). Das US-amerikanische Unternehmen Geron mit Sitz in Menlo Park in Kalifornien hat am 14. November angekündigt, seine klinischen Versuche mit embryonalen Stammzellen abzubrechen. Die Firma hatte die ersten menschlichen embryonalen Stammzellen gewonnen und weltweit zum ersten Mal eine klinische Prüfung mit embryonalen Stammzellen durchgeführt. Als Begründung für den Abbruch der Studien nannte das Unternehmen in einer Pressemitteilung das "derzeitige Umfeld einer Kapitalverknappung und die unklaren wirtschaftlichen Verhältnisse". Geron wolle sich nun künftig auf die Entwicklung von Krebsmedikamenten konzentrieren. Ein Drittel der Belegschaft werde daher entlassen, d.h. 66 Vollzeitstellen gestrichen.

Für die Fachwelt kam der Studienabbruch völlig überraschend, zumal die Studien erst im Oktober 2010 begonnen wurden und sich im Anfangsstadium befanden. Zuvor hatte Geron gut zwei Jahre lang um eine Zulassung für die Versuche am Menschen gekämpft (siehe ALfA-Newsletter 39/10 vom 16.10.2010). Kritiker gehen Medienberichten zufolge davon aus, dass das Unternehmen offenbar nicht mehr an einen Erfolg mit embryonalen Stammzellen geglaubt hat. Laut dem Geron-Chef John A. Scarlett, habe es bislang keine Zeichen einer Besserung bei den Patienten gegeben, es seien aber auch bei keinem Probleme mit dem Transplantat aufgetreten.

Bei den Probanden handelte es sich um querschnittgelähmte Patienten mit Rückenmarksverletzung, denen embryonale Stammzellen in das Rückenmark injiziert wurden. Ziel der Behandlung sollte es sein, dass sich mit Hilfe der Stammzellen die beschädigten Nervenzellen regenerieren. Zunächst ging es in der ersten Testphase aber nur darum, die Sicherheit der von Geron entwickelten Methode zu prüfen. Weitere Tests mit ca. 10 anderen freiwilligen Patienten, die ebenfalls Rückenmarksverletzungen haben, sollten folgen. Bis Studienabbruch wurden nur vier Patienten behandelt. Weitere werden nun nicht mehr aufgenommen.

Bei Tests mit embryonalen Stammzellen mit Ratten war es den Forschern bereits gelungen, den Tieren einen Teil ihrer Beweglichkeit wieder zu geben. Im Januar 2009 hatte die amerikanische Arzneimittelbehörde "U.S. Food and Drug Adminsitration" (FDA) erstmals die Genehmigung für Versuche mit embryonalen Stammzellen am Menschen an Geron erteilt. Die Genehmigung erging laut Medienberichten auf Anweisung des neu gewählten US-Präsidenten Barack Obama. Seit Jahren hatte Geron in regelmäßigen Abständen den baldigen Beginn der weltersten klinischen Studie am Menschen mit embryonalen Stammzellen angekündigt, jedoch hatten die zuständigen Behörden eine Genehmigung bis dato abgelehnt. Nachdem es dann im Zuge der Tierversuche zu Komplikationen wie u. a. Tumorbildungen kam, war eine klinische Anwendung am Menschen im August 2009 zunächst wieder von der FDA untersagt worden. Ende Juli 2010 wurde nach weiteren Tierversuchen doch wieder die Genehmigung erteilt.

Heilsversprechen mit embryonalen Stammzellen offenbar unbegründet

"Diese Nachricht zeigt einmal mehr, dass die Heilsversprechen, die mit embryonalen Stammzellen verbunden wurden, unbegründet waren. Wenn selbst die "Pioniere" der embryonalen Stammzellforschung keine Finanzierung ihrer eigenen Versuche gewährleisten können, ist der Glaube an den Erfolg dieser Versuche erloschen", erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten), Dr. Peter Liese (CDU) zur Bekanntgabe des Studienstopps.

Liese forderte nun auch entsprechende Konsequenzen für die europäische Forschungspolitik aus dem Abbruch der Versuche sowie aus der jüngsten Entscheidung des EuGHs, wonach embryonale Stammzellen nicht patentierbar sind. "Durch den Abbruch der klinischen Versuche mit embryonalen Stammzellen zeigt sich einmal mehr, dass die embryonale Stammzellforschung keinen Mehrwert für die Patienten weltweit schafft. Wir sollten daher alle verfügbaren Kapazitäten in ethisch unbedenkliche Alternativen lenken." In diesem Zusammenhang wies Liese auf die adulte Stammzellforschung hin. "Im Gegensatz zur embryonalen Stammzellforschung, die trotz gegenteiliger Heilsversprechen keine Ergebnisse brachte, gibt es hier auch schon über 70 Erkrankungen, die mit adulten Stammzellen geheilt werden können", so der Arzt.

Weitere Informationen:

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2. Neues EU-Forschungsrahmenprogramm: EU-Kommission will verbrauchende Embryonenforschung fördern

Brüssel (ALfA). Derzeit erarbeitet die EU-Kommission offizielle Vorschläge zum nächsten EU-Forschungsrahmenprogramm und zu den Spezifischen Programmen für den Zeitraum 2014 bis 2020. Am 30. November soll das Papier in Brüssel vorgelegt werden.

Wie der Europaabgeordnete Dr. Peter Liese, gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament, den EVP-Christdemokraten, nun am 16. November darauf aufmerksam gemacht hat, sollen laut bisherigen Entwürfen im Kommissionsvorschlag offenbar die Regeln für die verbrauchende Embryonenforschung gelockert werden. Konkret plant die EU-Kommission, die Finanzierung der Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen künftig zu genehmigen, wenn die Gesetze in den jeweiligen Mitgliedstaaten dies zulassen. Bisher werden keine Forschungstätigkeiten gefördert, bei denen zur Gewinnung von Stammzellen menschliche Embryonen getötet werden. Allerdings werden mit EU-Geldern Projekte gefördert, bei denen so gewonnene menschliche embryonale Stammzellen verwendet werden. Diese Regelung war unter anderem auf Drängen Deutschlands zustande gekommen, in Anlehnung an das hier geltende Stammzellgesetz.

Nach Ansicht von Dr. Liese bedeuten die vorliegenden ersten Entwürfe der Kommissionspläne eine Verschlechterung zur jetzigen Situation. Dies sei nach derzeitiger Lage inakzeptabel. Er forderte daher Nachbesserungen in den nächsten 14 Tagen. Mit Blick auf die eingestellten klinischen Versuche der kalifornischen Firma Geron mit embryonalen Stammzellen und vor dem Hintergrund des kürzlich gefällten Urteils des Europäischen Gerichtshofs zu Stammzellenpatenten (siehe ALfA-Newsletter 40/11 vom 22.10.2011) forderte Liese und diverse Fraktionskollegen, im neuen EU-Forschungsrahmenprogramm einen Förderausschluss für die Embryonenforschung aufzunehmen. "Wir sind für Forschung und Entwicklung in der Biotechnologie, aber dabei dürfen keine menschlichen Lebewesen, auch nicht in der Frühform ihrer Entwicklung, zerstört werden", bekräftigte Liese.

Zeitplan zur Verabschiedung des 8. EU-Forschungsrahmenprogramms

Entsprechend der europäischen Gesetzgebungsverfahren werden die Vorschläge der Europäischen Kommission nach Vorlage Ende November als nächstes ab 2012 im Rat der Europäischen Union und im Europäischen Parlament beraten und verabschiedet werden. Laut Zeitplan auf der offiziellen Webseite zum EU-Forschungsrahmenprogramm wird diese formale Gesetzgebungsphase ca. anderthalb Jahre in Anspruch nehmen. Mit der Verabschiedung des nächsten Rahmenprogramms für Forschung und Innovation ist laut Bundesministerium für Bildung und Forschung nicht vor Mitte 2013 zu rechnen. Bis dahin sollten bioethik-kritische Gruppierungen den Gesetzgebungsprozess aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls rechtzeitig protestieren.

Weitere Informationen:

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3. Kurz gemeldet: Dr. Peter Liese zum Berater der Unterkommission Bioethik der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz ernannt

Berlin (ALfA). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, hat den Europaabgeordneten Dr. Peter Liese zum Berater der Unterkommission "Bioethik" ernannt. Die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz hatte Liese, der auch Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ist, im Vorfeld vorgeschlagen. Seit langem setzt sich Liese für den Schutz des ungeborenen Lebens, gegen die Patentierung menschlichen Lebens und für ein christliches Menschenbild ein. Im Europäischen Parlament beschäftigt er sich u. a. mit ethischen Fragen der Biologie und der Medizin, z.B. Embryonenschutz, Gen- und Biotechnologie und Sterbehilfe. "Ich freue mich sehr über meine Ernennung zum Berater der Unterkommission "Bioethik" und über das mir entgegengebrachte Vertrauen", so Liese in einer Pressemitteilung vom 18.November.

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe aller Diözesen in Deutschland. Zusätzlich eingerichtete Bischöfliche Kommissionen bearbeiten Fragen bestimmter Teilgebiete des kirchlichen Lebens. Die Aufgabe der Glaubenskommission umfasst grundlegende Fragen des Glaubens, etwa solche des Gottesbildes und der Sakramente. Der Glaubenskommission zugeordnet ist die Unterkommission Bioethik.
 

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4. Was sonst noch lief: Weitere lesenswerte Artikel zum Lebensrecht

Auf der Webseite der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA) finden Sie in der Rubrik Presse/Publikationen unter "Pressespiegel" wöchentlich aktualisiert zahlreiche Links zu interessanten Online-Artikel zu sämtlichen Themen des Lebensrechts. Dort gibt es u.a. folgende Artikel:

  • Nichts kann die Zerstörung eines menschlichen Lebens rechtfertigen
    Benedikt XVI. zur Problematik der embryonalen Stammzellen: die Würde des Menschen ist in jedem seiner Lebensstadien unantastbar und unverletzlich. Adulte Stammzellenforschung: der andere Weg des medizinischen Fortschritts. Von Armin Schwibach
    KATH.NET 12.11.11
     
  • Inkrafttreten der Regelung zur PID noch offen
    Berlin - Auch zwei Monate nach der Zu­stimmung von Bundestag und Bundesrat ist das Inkrafttreten der Regelung zu genetischen Untersuchungen an künstlich erzeugten Embryonen noch offen.
    AERZTEBLATT.DE 17.11.11
     
  • Risiko Eizellspende: Umsicht statt Eile ist gefragt
    Martina Kronthaler
    Mit der Eizellspende werden oft große Hoffnungen verbunden. Der Blick auf die Spenderin und das Kind fehlt dabei meistens.
    DIE PRESSE 17.11.11
     
  • Patientenrechte: Pflegebedürftige besser vor Gewalt schützen
    Krüger-Brand, Heike E.
    Die Deutsche Hospiz Stiftung fordert verbesserte gesetzliche Regelungen bei Misshandlungen in der Pflege.
    Deutsches Ärzteblatt 2011; 108(46) 18.11.11
     
  • Ehrliche Sterbebegleitung
    Von Petra Ahne
    Berlin. Petra Anwar kann ihre Patienten nicht heilen. Nur für sie da sein. Das ist das einzige, was sie machen kann. Die Geschichte einer Frau, die dem Toten und den Hinterbliebenen das Abschiedsnehmen erträglicher macht.
    BERLINER ZEITUNG 12.11.11
     
  • Gleiches Recht auf Rettung
    Trinker und Transplantationen
    Von Frank Patalong
    Eine im "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Studie behauptet, der vor einer Lebertransplantation verlangte Alkoholentzug sei unnötig. Daran hat sich jetzt eine Debatte entzündet: Hat jemand, der sich selbst schädigt, das gleiche Recht auf Rettung wie andere Kranke?
    SPIEGEL Online 13.11.11
     

Weitere lesenswerte Artikel finden Sie im ALfA-Online-Pressespiegel

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