Trotz allem: Ja zum Kind

 

Mutter verzichtete auf geplante Abtreibung

 

Ich bin Ausländerin, war einziges Mädchen unter vielen Brüdern und hatte keine gute Kindheit. Von meiner Mutter hörte ich oft, dass sie Mädchen nicht leiden könne.

Mit knapp 16 Jahren hatte ich einen deutschen Freund, daher wurde ich zu Hause verstoßen. Ich brach eine Lehre zur Hotelfachfrau ab, zog mit meinem Freund zusammen und musste arbeiten, da Wohnung, Möbel und der Lebensunterhalt finanziert werden mussten. Als ich mit 17 Jahren das erste Kind bekam, heirateten wir. Zwei Jahre später bekamen wir das zweite Kind. Drei Jahre danach ging unsere Ehe auseinander. Ich sorgte allein für meine Kinder, machte eine erfolgreiche Umschulung als Arzthelferin: tagsüber ging ich zur Schule und dreimal in der Nacht habe ich als Kellnerin gearbeitet.

Mit 23 Jahren lernte ich meinen jetzigen Freund kennen, wieder einen Deutschen. Wir verstanden uns gut und zogen nach etwa einem Jahr zusammen. Von da ab begannen unsere Probleme. Drei Jahre lang habe ich um unsere Beziehung gekämpft und dann fest beschlossen, mich von ihm zu trennen. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich unverhofft schwanger. Für mich brach eine Welt zusammen, denn ich hatte große Angst, mit drei Kindern von zwei verschiedenen Männern dazustehen. Was würde meine Familie sagen, zu der ich wieder etwas Kontakt hatte? Wie sollte ich es finanziell allein schaffen? So beschloss ich, das Kind abzutreiben. Ohne Schwierigkeiten beschaffte ich mir den Schein. Meine Mutter und fast alle Bekannten rieten zur Abtreibung. Nur mein Freund und seine Schwester waren völlig dagegen und riefen ohne mein Wissen an einem Sonntag die ALfA an. Noch am selben Nachmittag stand die ALfA-Mitarbeiterin vor meiner Tür.

Obwohl ich sie nicht kannte und nicht wusste, was sie überhaupt wollte, ließ ich sie in die Wohnung. (weiter auf Seite 2)

Sie versuchte mir zu erklären, dass mein Kind schon Händchen und Füße habe und dass sie jederzeit zur Hilfe bereit sei. Doch ich wollte nichts von allem wissen. Ich erklärte ihr meine Situation und dass eine funktionierende Partnerschaft das einzige sei, was mich von meiner Entscheidung abbringe. Aber weil sie mir vertrauenswürdig vorkam, versprach ich ihr, den Abtreibungstermin in 5 Tagen abzusagen.

Mein Freund hatte wütend den Schein zerrissen, aber den konnte ich mir ja wieder besorgen. Täglich riefen meine Freundinnen an. Die einen sagten, treib das Kind ab, du hast schon 2 Kinder und genug durchgemacht, die anderen sagten genau das Gegenteil. Auch mein Freund und seine Schwester machten massiven Druck. Einmal in der Woche rief auch noch die ALfA-Mitarbeiterin, Frau G., an und erkundigte sich nach meinem Ergehen. Nach 5 Wochen lud ich sie ein, weinte mich bei ihr aus und erzählte ihr meine Lebensgeschichte. Einige Tage später hatte sie mit meinem Freund ein längeres Gespräch. Er war danach wie umgewandelt. Ich entschied mich für mein Kind. Zu Frau G. fand ich immer mehr Vertrauen. Sie hörte mir einfach zu, half mir bei meinen Problemen und verstand mich. Noch nie in meinem Leben habe ich eine solche Persönlichkeit kennengelernt, die einfach da war, mit Herz und Seele.

Langsam fing ich an, wieder Vertrauen zu meinem Partner zu fassen. Im dritten Schwangerschaftsmonat lief mein Arbeitsvertrag aus und ich wurde arbeitslos. Wir wussten überhaupt nicht mehr, wie wir über die Runden kommen sollten, da mein Freund hohe Schulden hat und für sein Kind aus erster Ehe zahlen muss. Bis zum Minimum wird ihm alles gepfändet.

Frau G. veranlasste zunächst, dass ich zu einer Kur fahren konnte, gab mir sogar Taschengeld mit und beantragte für mich eine ALfA-Patenschaft. Sie bezahlte über die ALfA eine offene Rechnung, damit ich keinen Mahnbescheid erhielt und besorgte mir Babyausstattung, Kinderwagen und -bett. Auch die Stockbetten für meine großen Kinder bezahlte die ALfA, damit das Babybett noch in das kleine Zimmer passte. Während der Schwangerschaft besuchte sie mich regelmäßig, half mir zwischendurch mit einem ALfA-Darlehen und ging mit mir zum Gesundheitsamt, damit ich finanzielle Hilfe aus der Stiftung „Mutter und Kind“ erhielt.

Bei der Geburt war mein Freund dabei. Er hat sich überglücklich bei mir bedankt. Nachdem ich entlassen worden war, ging meine uralte Waschmaschine kaputt. ALfA bezahlte die Hälfte einer neuen. Eine regelmäßige monatliche Lebens-mit-tel-hilfe für ein halbes Jahr hilft uns sehr, ebenso dass meine ALfA-Patenschaft um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Meine Mutter ist inzwischen auch zufrieden, dass ich das Kind bekommen habe, ist aber „froh, dass es wenigstens ein Junge ist“. Diese Aussprüche ziehen jedes Mal mein Herz zusammen, weil sie so weh tun.

Ohne die Hilfe von ALfA hätte ich das alles nicht geschafft. Ich bin ALfA und Frau G. sehr zu Dank verpflichtet. Ohne sie hätte ich den größten Fehler meines Lebens gemacht! Ihr habe ich mein Kind zu verdanken, über das ich so glücklich bin. Danke, danke für alles!!

 

Neustadt im Dezember 2001

 

Gegen PID und Klonen

 

Eine Protestaktion des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen

 

Zwei Tage vor der anstehende Entscheidung des „Nationalen Ethikrats“ zum Stammzellen-Import veranstaltete der ALfA-Landesverband Nordrhein-Westfalen mit tatkräftiger Unterstützung des neu gegründeten Regionalverbandes Bonn-Rhein-Sieg am 26. November in Bonn eine Protestaktion. Die ehemalige Bundeshauptstadt wurde gewählt, weil an der Bonner Universität die Neuropathologen Oliver Brüstle und Otmar Wiestler wirken, die sich immer wieder für eine Forschung an embryonalen Stammzellen ausgesprochen haben.

Trotz Kälte und strömenden Regens hielt die Protestschar von 10 Uhr morgens bis zum späten Nachmittag durch, verteilte, in weiße Overalls gekleidet und mit „Stoppt PID und Klonen!“-Schildern ausgestattet, Flugblätter und führte mit zahlreichen Passanten Gespräche.

Die auffällige Kleidung und der angesichts der Witterungsverhältnisse an den Tag gelegte Durchhaltewillen erregten Aufmerksamkeit. Dem konnte sich selbst ein RTL-Kamerateam nicht verschließen, das gerade zufällig auf dem Weg zu einem Interview mit Oliver Brüstle war und nun ein kurzes Interview mit Teilnehmern der Protestaktion führte.

Auffällig waren die vielen positiven Reaktionen der vorbei eilenden Menschen: Vor allem viele ältere Leute blieben stehen, um sich zu informieren, aber auch jüngere bekannten offen, dass ihnen die momentane Entwicklung Angst macht. Ein älterer Herr machte seiner Wut Luft: „Wo es wirklich um die Menschenrechte der Schwächsten geht, beschimpft man uns als Christen-Fundis.“ Besonderen Mut machten uns die Reaktionen der Jugendlichen und der zustimmend erhobene Daumen von Menschen, denen man ihre südländische oder türkische Herkunft ansah. Ein junger Afrikaner wollte gar keine Informationen, sondern fragte: „Wo kann ich dagegen unterschreiben?“ Eine junge Türkin hielt den Deutschen vor, ihre Wertmaßstäbe verloren zu haben: „Erst Abtreibung, dann Homo-Ehe, jetzt Men-schen-versuche ...“

Alles in allem zeigte die Protestaktion, dass viele sich nicht ausreichend informiert fühlen und Angst vor drohenden Grenzüberschreitungen haben. Zahlreiche Passanten hörten zum ersten Mal, dass es Verbände und Vereine gibt, die diese Befürchtungen mit ihnen teilen.

Die Ansicht, dass die momentane Diskussion eine große Chance für Le-bens-rechtler ist, ihr Anliegen lautstark vertreten zu können, ist nicht unberechtigt.

 

Julia Castor, Landesverband

Nordrhein-Westfalen

 

Andreas Schneider,

Regionalverband Bonn-Rhein-Sieg