Überleben gesichert
Von Rosemarie Falk
Eine äthiopische, christliche Frau hat gerade ihr Studium in Coburg abgeschlossen und wird kurz vor Fertigstellung ihrer Diplomarbeit schwanger. Ein Pfarramt bittet uns im Januar um Hilfe, da das Stipendium Ende des Monats ausläuft.
Wovon soll sie jetzt leben? Kleinere Beträge vom Pfarramt reichen allein nicht aus. Der Vater des Kindes studiert auch noch und finanziert sein Studium ebenfalls über ein Stipendium und kleinere Jobs. Er kann die junge Frau momentan nicht unterstützen. Auch von den beiden Elternpaaren ist keine Hilfe zu erwarten. Wegen der Schwangerschaft ist es aussichtslos, dass sie einen Arbeitsplatz bekommt. Alle unsere Bemühungen schlagen fehl.
Also beantragten wir als erstes eine ALfA-Patenschaft, die sofort für ein halbes Jahr genehmigt wurde. Dann begleiteten wir die Frau zu einer Beratungsstelle, um Geld aus der Mutter-Kind-Stiftung zu bekommen. Auch das wurde bewilligt, so dass sie das Notwendigste für das Kind beschaffen kann. Die Beraterin hat ihr sogar einen kurzzeitigen Praktikumsplatz vermittelt.
Wir selbst übernahmen ab sofort jeden Monat die Zimmermiete und Krankenversicherung. Auch die Hochschule zeigte sich aufgrund der Notlage kooperativ: Die Frau durfte sich für ein weiteres Semester einschreiben, die Bewertung der Diplomarbeit stellte man bis zum Sommer zurück, so dass sie dadurch ihr Zimmer im Wohnheim bis zur Geburt im Juli behalten kann.
Doch es kam alles anders: Im Frühjahr, genau zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit, musste sie ein paar Tage in die Klinik, weil sich unklare Beschwerden einstellten. Danach ging es ihr etwas besser und sie konnte kurzfristig arbeiten. Mitte April musste sie dann endgültig ins Krankenhaus, weil das Kind viel zu klein und die Plazenta nicht richtig durchblutet war. Jetzt hieß es strenge Bettruhe einhalten.
Dennoch wuchs das Kind nicht richtig. So wurde im Mai ein Notkaiserschnitt durchgeführt. Hierbei bemerkte man, dass sich beide Seiten der Plazenta eingeklappt hatten und dadurch die Blutversorgung des Kindes stark gedrosselt war.
In der 30. Woche wurde also ein kleines, winziges Menschlein von 930 g Gewicht und 37 cm Länge geboren. Durch die Unterernährung im Mutterleib wies das Kind einen Entwicklungsrückstand von vier Wochen auf.
Als wir die junge Mutter aufsuchten, um sie zu beglückwünschen, strahlte sie überglücklich, dass ihr kleiner Sohn lebt und in Deutschland bestens versorgt wird. In Äthiopien hätte das Kind mit Sicherheit keine Überlebenschance gehabt.
Voller Dankbarkeit gaben die Eltern ihrem Sohn den Namen "Endale". Das heißt zum einen: Gott macht mit ihm, was Er will; und zum zweiten: Er macht, was er will. Und das hat der Kleine recht bald bewiesen, als er sich den Beatmungsschlauch herauszog, der ihn beim Schreien behinderte. Aber nach einem kurzen Intermezzo der Alleinatmung bekam er eine Lungenentzündung und musste wieder an das Beatmungsgerät angeschlossen werden.
Durch die Fürsorge seiner Mutter entwickelt sich Endale prächtig. Sie verbringt täglich hautnah viele Stunden mit ihm (scherzhaft Känguruen genannt), sie streichelt und liebkost ihn und erzählt ihm viele Geschichten aus der Heimat und dem Alltag der Familie. Hervorragende ärztliche Versorgung und liebevolle Pflege durch die Schwestern tun ein Übriges.
Mitte Juli, wiegt der kleine Junge fast 2200 g, ist gewachsen und wird seit 14 Tagen nicht mehr mit dem Monitor überwacht. Ende des Monats, zum eigentlichen Geburtstermin, wird er entlassen. Die Ärzte sind mit der körperlichen und vor allem der geistigen Entwicklung sehr zufrieden.
Wir Außenstehenden können nur immer wieder staunen, welch ein Wunder der Mensch ist. Wir haben miterlebt, wie sich durch die Möglichkeiten der modernen Medizin ein kleiner, zerbrechlicher Winzling (mit Beinchen und Ärmchen so dünn wie der kleine Finger eines Erwachsenen) in 10 Wochen im Brutkasten weiterentwickelt hat. Das ist Grund zur Freude und wird Anlass für eine Dankfeier, bevor Mutter und Kind zum Vater nach Berlin übersiedeln.
Rosemarie Falk, Angerleite 15, 96450 Coburg, Tel. 09561/15573 Fax 09561/201688, EMail: arofa@t-online.de
Wahlkampf für das Leben
ALfA zeigt Spitzenpolitikern die rote Karte
Von Stefan Rehder
Auf seiner ordentlichen Sitzung am 26. Januar 2002 in Frankfurt hat der Bundesvorstand der "Aktion Lebensrecht für Alle" (ALfA) beschlossen, sich massiv in den Bundestagswahlkampf 2002 einzumischen und dabei einen kompromisslosen "Wahlkampf für das Leben" zu führen. Der Grund für dieses Vorgehen liegt auf der Hand: Keine einzige der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien kann heute noch für sich in Anspruch nehmen, geschlossen und überzeugend für den Schutz des menschlichen Lebens in all seinen Phasen einzutreten. Das heißt nicht, dass es keine beachtenswerte Unterschiede in der Programmatik der Parteien zu den verschiedenen Lebensfragen gäbe. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Richtig ist auch, dass es in einigen Parteien die Zahl der engagierten Lebensrechtler weit aus größer ist, als in anderen Parteien. Das gilt sowohl prozentual wie absolut. Tatsache ist aber auch: Diejenigen Volksvertreter, die kompromißlos für das Recht auf Leben in allen zur Debatte stehenden Fragen einstehen, haben in den zurückliegenden Legislaturperioden eine - wenn auch qualifizierte Minderheit - dargestellt. In den entscheidenden Abstimmungen, bei denen der Fraktionszwang in der Regel aufgehoben wird, mußten sie deshalb jenen unterliegen, die sich im Zweifel über das Recht des Menschen auf Leben in all seinen Stadien hinwegsetzen.
Weil aber das so nicht weitergehen kann, hat sich die ALfA entschlossen, in diesem Bundestagswahlkampf all jene Politikerinnen und Politiker - unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit - zu unterstützen, die sich als "Freunde des Lebens" bewährt haben. Gleiches gilt auf für diejenigen, die sich erstmalig um Bundestagsmandat kämpfen und die zu erkennen geben, dass ihnen der Lebensschutz am Herzen liegt. Ziel des "Wahlkampfs für das Leben" ist es also, dazu beitragen, dass mehr, sich dem Recht auf Leben verpflichtet wissende Politiker ein Bundestagsmandat erringen.
Ein erster Mosaikstein dieser Bemühungen war die flächendeckende Verbreitung des namentlichen Abstimmungsverhaltens der Bundestagsabgeordneten bei der Entscheidung über den Import embryonaler Stammzellen vom 30. Januar. Durch die Veröffentlichung der Listen in ihrer Zeitschrift "LebensForum" (Nr. 61) und auf ihrer Homepage (http://www.alfa-ev.de) hat die ALfA dafür gesorgt, dass alle interessierten Bürger davon in Kenntnis gesetzt wurden, wie die jeweiligen Bundestagsabgeordnete in der so wichtigen Entscheidung votiert haben.
Auf der Bundesdelegiertenversammlung der Aktion Lebensrecht für Alle, Mitte April in Königswinter begründete die Bundesvorsitzende der ALfA, Dr. med. Claudia Kaminski, diesen Schritt so: "Die Bürger haben ein Recht darauf zu wissen, wie es ihre Vertreter im Deutschen Bundestag mit dem Lebensschutz halten" und kündigte an: "Über ihre Regionalverbände wird die ALfA alle Bürger dazu auffordern, ihre Erststimme bei der Bundestagswahl 2002 nicht an jene Politiker zu verschwenden, die für einen Import von embryonalen Stammzellen votiert haben, für deren Herstellung Menschen im Frühstadium ihrer Entwicklung getötet wurden". Kaminski erinnerte bei dieser Gelegenheit auch daran, dass Umfragen zufolge 68% der Bevölkerung den Import embryonaler Stammzellen nach Deutschland abgelehnt haben.
In Königswinter stellte Kaminski aber auch klar: "Die ALfA kann und wird ihren Mitgliedern nicht in ihre freie und von jedem einzelnen ausschließlich persönlich zu treffende und zu verantwortende Wahlentscheidung hinein reden. Was wir schon tun werden, läßt sich so auf den Punkt bringen: Wir werden rechtzeitig vor der Wahl so transparent wie möglich machen, welche Positionen die Kandidaten und Kandidatinnen aller Parteien, die sich um den Einzug in den Deutschen Bundestag bewerben, zum Schutz ungeborener, behinderter, kranker und schwacher Menschen vertreten, und wie ihr bisheriges Abstimmungsverhalten in diesen Fragen ausgesehen hat. Wir werden dafür sorgen, dass die Mitglieder der ALfA und darüber hinaus alle Bürgerinnen und Bürger, für die die Frage, wie es ihre potentiellen Volksvertreter mit dem Lebensschutz halten, bei der Vergabe ihrer Stimmen von ausschlaggebender Bedeutung ist, umfassend informiert werden. Dazu werden wir sogenannte &Mac226;Wahlprüfsteine' erstellen. In diesen Dokumentationen kann jeder nachlesen, welcher Abgeordnete, wann und wie abgestimmt hat, ob und wie er sich zu den Lebensrechtsfragen bislang geäußert hat." Diese &Mac226;Wahlprüfsteine' wird die ALfA rechtzeitig vor der Wahl auf ihrer Internetseite (http://www.alfa-ev.de) veröffentlichen.
Ausführlich werden die Positionen der Parteien zu den verschiedenen Lebensrechtsfragen auch in der kommenden Ausgabe des LebensForums behandelt.
Um möglichst alle Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, hat sich die ALfA darüber hinaus entschlossen, eine öffentlichkeitswirksame Kampagne zu starten. Mit ihr können die Bürgerinnen und Bürger exemplarisch am anhand des Umgangs der Politik mit dem Thema Spätabtreibung ihrer Unzufriedenheit darüber Ausdruck verleihen, wie wenig die Parteien sich derzeit noch Schutz des Lebens verpflichtet wissen. Zu diesem Zweck hat die ALfA Postkarten und E-Cards entwickelt, mit denen zunächst die zentralen Wahlkampfslogans der Parteien aufgriffen werden und die deren Spitzenkandidaten dann mit der Frage konfrontieren, warum diese eigentlich nichts gegen die Spätabtreibung unternehmen. Die Postkarten, die dieser Ausgabe des LebensZeichen beigelegt wurden, können in der Bundesgeschäftsstelle der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (Ottmarsgäßchen 8, 86152 Augsburg) nachbestellt werden. Als elektronische Postkarten könnten Sie auch über die ALfA-Homepage (http://www.alfa-ev.de) direkt an die Parteizentralen versandt werden. Die ALfA bittet alle Lebensrechtler sich an dieser Kampagne zu beteiligen und für ihre Verbreitung zu sorgen.

