Tapfere Jennifer

 

Marvin jetzt ein Jahr alt – ALfA sagt Danke!

 

Heute kann sich Jennifer ein Leben ohne Marvin gar nicht mehr vorstellen. Das war nicht immer so. Denn mit Marvin, mit dem Jennifer inzwischen seinen ersten Geburtstag feiern konnte, hatte Jennifer eigentlich gar nicht gerechnet. Als Jennifer dann auch noch — drei Tage vor ihrem 17. Geburtstag — erfuhr, dass das Kind, welches sie unter dem Herzen trug, vermutlich an spina bifida (offener Rücken) litt und die Ärzte auch noch einen Hydrocephalus (Wasserkopf) diagnostizierten, da reagierte die junge Mutter völlig normal. Sie war schockiert. Gab es für Marvin und sie überhaupt eine Zukunft? Konnte es sie überhaupt geben?

 

Doch die tapfere Jennifer gab nicht auf. Nicht einmal als sie erfuhr, dass Marvin möglicherweise auch geistig behindert sein würde, kam für Jennifer eine Abtreibung in Frage. Und das, obwohl man sie darauf hingewiesen hatte, dass es Kliniken gäbe, die sich darauf spezialisiert hätten. Mit ihrer Mutter ging Jennifer die Möglichkeiten durch, die ihr blieben. Auf den ersten Blick schienen das nicht viele zu sein. Jennifer wollte eine Ausbildung beginnen, um später ganz auf eigenen Füßen stehen zu können. Sollte sie davon nun Abstand nehmen? Auch Jennifers Mutter konnte ihre Berufstätigkeit nicht aufgeben, mußte sie doch den Lebensunterhalt für die Familie verdienen. Doch wer sollte sich dann um Marvin kümmern, der, wenn sich die Diagnosen bestätigen würden, weit mehr Zuwendung und Hilfe benötigen würde, als ein Kind ohne Behinderung?

 

In ihrer Not wandte sich Jennifers Mutter an die ALfA und bat, Jennifer bei der Suche nach einer Pflegefamilie zu helfen, in der Marvin die Woche über leben könne, bis Jennifer ihre Ausbildung beendet hatte. Die ALfA willigte ein und setzte sofort alle Hebel in Bewegung. Über die “Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus” signalisierten zwei Familien ernsthaftes Interesse, Marvin ein Heim zu bieten. Auf einen Aufruf im ALfA-Newsletter meldete sich noch eine weitere Familie, die ebenfalls bereit war, den Jungen bei sich aufzunehmen. Dabei heißt es dennoch immer wieder, für Mütter wie Jennifer gäbe es schon deswegen keine andere Möglichkeit als die Abtreibung, weil niemand ein Kind mit solchen Behinderungen zu sich nehmen wolle. Und hier meldeten sich in kürzester Zeit gleich drei Familien.

 

Schwierigkeiten machte allein das Jugendamt. Obwohl der Behörde sämtlich Adressen vorgelegt worden waren und die Zeit drängte, nahm das Amt erst mit erheblicher Verspätung Kontakt mit den Beteiligten auf. Ein Paar, das ein Kind mit Spina bifida verloren hatte und deswegen bereits über eine behindertengerechte Wohnung verfügte, lehnte das Amt mit der Begründung ab, es sei zu alt. Die andere Familie, die das Jugendamt schließlich akzeptiert hätte, wollte den Jungen nur unter der Voraussetzung zu sich nehmen, dass Marvin auch dauerhaft bei ihr bliebe. So verständlich dieses Ansinnen auch ist, im Falle Jennifers war davon nie die Rede gewesen sein. Mit der dritten Familie, die sich auf den Aufruf im ALfA-Newsletter gemeldet hatte und ein wenig weiter entfernt wohnte, nahm das Jugendamt danach erst gar keinen Kontakt auf.

 

Schließlich kam Marvin, dessen Kopf glücklicherweise nicht weiter gewachsen war, per Kaiserschnitt zur Welt. Da bei einer natürlichen Geburt das Risiko einer Entzündung zu groß gewesen wäre, hatten sich die Ärzte und die tapfere Mutter für diesen Weg entschieden.

 

Jennifer, der eine Krankenschwester erklärte hatte, es werde ihr wo möglich das Herz brechen, wenn sie den kleinen Jungen in andere Hände geben würde, hat Marvin behalten. Kürzlich haben beide zusammen seinen ersten Geburtstag gefeiert. Während Jennifer ihrer Ausbildung nachgeht, kümmert sich ihre Mutter um den Kleinen, die doch einen Weg gefunden hatte, ihre Arbeit aufzugeben. Und auch die ALfA hat noch einmal alles getan, um der tapferen Jennifer und Marvin die nächsten Schritte in ihre gemeinsamen Zukunft zu erleichtern. Mit einer Patenschaft aus der Patenschaft–Aktion der ALfA unterstützt sie Mutter und Sohn. Außerdem konnte die ALfA die Kosten für einige Anschaffungen für Marvin übernehmen und mit einem zinslosen Darlehen für die Wohnungseinrichtung helfen.

 

Allen Spendern, die auch diese Hilfe der ALfA wiederum erst durch ihr eigenes großherziges Engagement möglich gemacht haben, gilt unser Dank. Und natürlich der tapferen Jennifer.

 

Marsch für das Leben

 

Teilnehmer berichten von der Demonstration „1000 Kreuze für das Leben“ am 14. September 2002 in Berlin

 

Am Samstag, dem 14. September 2002, fand in Berlin der Mahnund Gedenkmarsch „1.000 Kreuze für das Leben“ statt, den der Bundesverband Lebensrecht unter Mitwirkung anderer Lebensrechtsgruppen, wie z.B. dem Regionalverband Berlin der ALfA und vor allem KALEB e.V. vorbereitet und organisiert hatte. Ziel des Marsches war es, an die an jedem Arbeitstag etwa 1.000 durch Abtreibung ermordeten Kinder in Deutschland zu erinnern und so darauf hinzuwirken, dass dieser Skandal nicht in Vergessenheit gerät.

 

Zu dem Marsch waren Lebensrechtler aus ganz Deutschland angereist, so dass bereits lange vor Beginn der Veranstaltung der Platz vor der Bühne auf dem Berliner Alexanderplatz dicht gefüllt war. Ein etwa einstündiges Informationsund Kulturprogramm stimmte die Teilnehmer auf die sich anschließende Demonstration ein. Hartmut Steeb, Vorsitzender des Treffens christlicher Lebensrechtsgruppen (TCLG) und Vorstandsmitglied des Bundesverbands Lebensrecht (BVL), sowie Claudia Kaminski, Bundesvorsitzende der ALfA und Vorsitzende des BVL, moderierten die Veranstaltung, bei der Prinz Philipp von Preussen, der Vertreter des angestammten Herrscherhauses für Berlin und Brandenburg, die Schriftstellerin Karin Struck und der bekannte Berliner Redemptoristenpater Vinzenz Ansprachen hielten. Ein kurzes Interview mit dem zehnjährigen Marc Ehrenfried, einem hochbegabten Pianisten, der – wäre es nach dem Willen seines Vaters gegangen – hätte abgetrieben werden sollen, bildete den Schlusspunkt der Kundgebung.

 

Bereits während der Ansprachen wurden sämtliche weißen Holzkreuze verteilt. Der Vorstand des Bundesverbands Lebensrecht führte den Marsch der „1.000 Kreuze für das Leben“ in Richtung „Unter den Linden“, vorbei am Alten Museum und am Schlossplatz zum Berliner Forum Fridericianum. In der St. Hedwigs-Kathedrale endete er mit einem Gottesdienst, den Domprobst Riedel und Hartmut Steeb, Generalsekretär der evangelischen Allianz, gestalteten.

 

Der Marsch erweckte bei den Passanten, Spaziergängern und Touristen großes Interesse. Die meisten nahmen das Ziel, den Lebensschutz in Deutschland zu stärken, sehr positiv auf. Viele meinten allerdings, dass die mächtigen Parteien sich hierfür nicht besonders einsetzen würden. Evangelikale Kleinstparteien, auf der Kundgebung fleißig werbend, seien keine Alternative, da sie keinerlei politischen Einfluss ausüben könnten.

 

Der Gedenkmarsch war ein Erfolg für die ganze Lebensrechtsund Lebensschutzbewegung in Deutschland: Die große Teilnehmerzahl hat Mut gemacht und gezeigt, dass durchaus etwas bewegt werden kann, wenn man sich bemüht. Zwar hätte die Aktion öffentlichkeitswirksamer sein können, aber eine angemessene Berichterstattung ist von den Medien in Deutschland kaum zu erwarten. Anliegen des Lebensrechts und Lebensschutzes werden von vielen von ihnen völlig ignoriert, die übrigen gilt es verstärkt einzubinden und für unsere Sache zu gewinnen.

 

Martin Möller

Vorsitzender Regionalverband Berlin, Fritschestr. 69, 10585 Berlin.

Tel / Fax 030 / 8731840,

sowie Cornelia Kaminski