Die Saat geht auf

 

Wenn Hilfe Frucht bringt: Neues vom ALfA Regionalverband Coburg

 

Wir waren sehr betroffen, als wir die Todesnachricht einer unserer ersten ALfA-Mütter bekamen. Ihre inzwischen erwachsene Tochter Kerstin (Name geändert) erinnerte sich noch gut an die Frau von der ALfA, die lange Jahre Kontakt zur Familie pflegte. Jetzt war sie selber schwanger, und die Entbindung stand wenige Wochen bevor. Kurz nach der Beisetzung der Mutter rief sie bei uns an und bat um einen Kinderwagen. Bei unserem ersten Besuch waren wir erstaunt, wie aus dem seinerzeit aufmüpfigen Teenager eine nette, liebenswerte junge Frau geworden war. Sie hatte eine Ausbildung gemacht, ist aber zur Zeit arbeitslos. Sie erzählte, dass ihr Partner sie verlassen hat, als er von der Schwangerschaft erfuhr. Er beendete die Beziehung, weil sie das Kind unbedingt bekommen wollte. Abtreibung kam für sie überhaupt nicht in Frage. Ihre Mutter hatte ihr mit auf den Lebensweg gegeben, dass Kinder ein Geschenk sind und dass es sich lohnt, dafür Verantwortung oder auch Entbehrungen auf sich zu nehmen – sie hat es ihr selbst vorgelebt.

 

Kerstin hatte erst vor kurzem eine eigene Wohnung bezogen, die sie hochschwanger eigenhändig renovierte. Das Sozialamt stellte Küchenmöbel, Kühlschrank und Waschmaschine. Von Bekannten bekam sie für eine paar Euro einen kleinen Wohnzimmerschrank, Freunde überließen ihr eine zerschlissene, fleckige Couchgarnitur. Diese war mit ein paar eingeschlagenen Nägeln vor dem Auseinanderbrechen gesichert. Im Schlafzimmer standen ein Bett und ein offenes Regal. Kleidung und Wäsche lagen fein säuberlich auf dem Fußboden aufgeschichtet. Ihre Mutter hatte noch einige Gardinen genäht. Bis auf etwas Geschirr und Besteck für den persönlichen täglichen Gebrauch fehlte alles – die Schränke waren leer. Wir besprachen, was sie gebrauchen konnte und beschafften ihr das Nötigste aus eigenen Vorräten und Beständen. So kam sie zu Service, Gläsern, Besteck, Geschirr, Töpfen, Pfannen, Bügeleisen und -brett, kleinen elektrischen Küchengeräten, Bett- und Tischwäsche, Handtüchern, Reisetasche fürs Krankenhaus usw.

 

Leider wurde ihr zu wenig Mutterschaftsgeld ausgezahlt. Das hatte zur Folge, dass sie zur Zeit unserer Kontaktaufnahme völlig ohne Geld dastand und Miete und Strom nicht zahlen konnte. Der Stiefvater hat noch 3 jüngere Geschwister zu versorgen und konnte Kerstin nicht noch zusätzlich unterstützen. Also übernahm die ALfA die ausstehenden Mietzahlungen, beglich die Stromrechnung und gab ihr etwas Geld für Lebensmittel. Wir wollten weiteren Schwierigkeiten vorbeugen.

 

Der Bundesverband der ALfA sprang sofort mit einem einmaligen Zuschuss ein, als wir von den Nöten berichteten. Mit einem Teil beglichen wir die restliche Wohnungskaution. Von einem anderen Teil kauften wir Schlafzimmermöbel, damit Kerstin ihre Kleidung aufhängen und Wäsche und Babysachen unterbringen konnte. Da sie sehr bescheiden ist und keine Ansprüche stellt, konnte sie es kaum glauben, dass sie sich die Möbel selbst aussuchen durfte. Sie ist sogar eine der wenigen Mütter, mit denen wir bisher zu tun hatten, die keine weiteren Schulden hat und nicht über ihre Verhältnisse lebt!

 

Aus einer Haushaltsauflösung verschafften wir ihr kostenlos den restlichen Hausrat. Kinderzimmermöbel bekam sie auch noch wenige Tage vor der Geburt geschenkt. Jetzt konnte das Kind kommen, denn es war alles gerichtet.

Inzwischen ist das Baby ein paar Wochen alt und gedeiht prächtig. Kerstin ist traurig, dass ihre Mutter das Enkelchen nicht mehr erleben konnte. Aus Liebe und Erinnerung an ihre Mutter gab sie dem Kind einen Namen, den diese vorher ausgesucht hatte.

 

Von Anfang an bestand ein Vertrauensverhältnis zwischen Kerstin und der Betreuerin der ALfA; sie ist momentan ein wenig die Ersatzmutter für sie. Bei ihr kann sie offen sein, weinen, wenn die Trauer überhand nimmt, zu jeder Zeit anrufen, sich aussprechen oder einen Rat holen. Kerstin ist eine verantwortungsvolle junge Frau und kümmert sich liebevoll nicht nur um ihr eigenes Kind, sondern seit Anfang Mai noch um ihre jüngeren Geschwister. Der Vater ist wieder berufstätig und wochentags auf Montage. Also betreut sie auch noch seinen Haushalt mit. Scherzhaft sagte sie: "Das soll erst einmal jemand nachmachen, einmal schwanger sein und gleich vier Kinder haben!" Wir hoffen natürlich, dass die Krankenkasse oder eine andere Stelle ihre Dienste bezahlt. Das Mutterschaftsgeld ist inzwischen auch nachgezahlt worden.

 

ALfA-Regionalverband Coburg, Rosemarie Falk,

1. Vorsitzende,

Angerleite 15,

96450 Coburg,

Tel. 09561-15573,

Fax 09561-201688,

E-Mail: arofa@falk-it.de, www.alfa-coburg.falk-it.de

Gegen die "Kultur des Todes": Familien stärken

 

Bericht über die Bundesdeligiertenversammlung der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. in Königswinter

 

Die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) wird sich künftig neben den klassischen Lebensschutz-Themen wie Abtreibung, Euthanasie und den immer drängenderen Fragen auf dem Gebiet der Biomedizin künftig stärker als bislang auch der Familienpolitik widmen. Das sagte deren Bundesvorsitzende, Claudia Kaminski, am Rande der diesjährigen Bundesdelegiertenversammlung. Hintergrund für diese thematische Erweiterung der Arbeit der ALfA sei die Tatsache, dass "in intakten Familien die Bereitschaft auch ungewollte Schwangerschaften sowie Kinder mit Behinderungen anzunehmen, besonders hoch ist". Aus Sicht der ALfA stelle die "Stärkung von Familien daher auch eine besondere Form der Prävention gegen die weitere Ausbreitung der &Mac226;Kultur des Todes‘ dar", so Kaminski weiter. Aus diesem Grund habe die ALfA auch die diesjährige öffentliche Fachtagung, die im Rahmen der Bundesdelegiertenversammlung vom 02. bis 04. Mai in Königswinter stattfand, unter das Motto "Lebensrecht für die Familie" gestellt.

 

Die Eichstätter Dipl.-Psychologin und Dipl.-Heilpädagogin Consuelo Gräfin Ballestrem warnte in ihrem Schlussreferat, dass unter der Frage stand: "Wie können Ehe und Familie heute überleben?" davor, das klassische Familienmodell für überholt zu halten. Auch wenn sich im Bereich von Ehe und Familie vieles gewandelt habe, so wünschten sich doch immer noch 80 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer eine dauerhafte Beziehung und seien offen für Kinder. In den alten Bundesländern erlebten 80 Prozent der heute 18-jährigen ihre Eltern als verheiratet, in denen neuen Bundesländern seien es 64 Prozent. Frauen und Männer kämen zu voller Entfaltung, wo sie wirklich Mütter und Väter würden. Auch unter volkswirtschaftlicher Perspektive könne die Bewertung von Familien nicht hoch genug angesetzt werden. Zwar habe man die Familien und vor allem die Mutterschaft so lange so schlecht geredet, dass es kein Wunder sei, dass der Sozialstaat in die Krise geraten sei, doch gebe es längst einen Trend in die entgegengesetzte Richtung. So setze sich etwa unter Personalchefs immer mehr die Einsicht durch, dass Kinder keine "Karrierekiller”, sondern vielmehr "Jobturbos” seien.

Die Natur sei konservativ, zitierte Ballestrem die Thüringische Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski und fügte hinzu, wer sich der Natur entsprechend verhalte, werde auch von ihr belohnt. Die Psychologin zeigte anhand verschiedener Studien auf, dass trotz hoher Scheidungsraten von bis zu 60 Prozent in Städten und bis zu 30 Prozent auf dem Land, Ehen, in denen die Ehepartner miteinander beteten, deutlich resistenter gegen Anfechtungen von außen seien. "Familien, die zusammen beten, bleiben auch zusammen", sagte Ballestrem angesichts der statistischen Daten von einer Scheidung auf 1000 solcher Ehen. Auch, wo Paare die natürliche Empfängnisregelung praktizierten, seien die Ehen belastbarer. Die Scheidungsrate liege hier bei rund fünf Prozent.

 

Zuvor hatte der Mainzer Diplom-Volkswirt Clemens Christmann das Ausmaß der Benachteiligung von Familien systematisch dargelegt: Unter der Überschrift: "Familien — Lastesel der Gesellschaft" empfahl Christmann anschließend den Abbau der Benachteiligungen von Familien in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie bei der Besteuerung von Familieneinkommen. Freibeträge bei der Bemessung der Sozialversicherungsbeiträge sollten den Kinderunterhalt abgabenfrei stellen und damit die verminderte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Eltern beachten. Zusätzlich solle die Kindererziehungsleistung zu einem eigenen Rentenanspruch führen. Diese "Elternrente" könne durch eine Kürzung der Rentenansprüche Kinderloser finanziert werden. Ferner müsse das Kindergeld um 160 Euro erhöht werden, um die übermäßige Belastung mit Verbrauchsteuern, die auf den Ausgaben zur Sicherung des Kinderunterhalts liegen, auszugleichen. Christmann sagte, ein solcher "Nachteilsabbau", der sich an allgemein akzeptierten Prinzipien orientiere, sei eher mehrheitsfähig als die Forderung nach neuen Instrumenten der Familienförderung, wie etwa ein Erziehungseinkommen.

 

Unter der Überschrift "Ist Deutschland noch zu retten? 1.000 Abtreibungen pro Werktag können nicht folgenlos bleiben" hat die ALfA Informationsmaterialien zu den Auswirkungen von Abtreibungen auf die demografische Entwicklung und die sozialen Sicherungssysteme erarbeitet. Diese wurden anlässlich des "Tags des Lebens" am 1. Juni auf den Veranstaltungen der rund 50 ALfA-Regionalverbände vorgestellt.

Die Diplombiologin Bettina Bock von Wülfingen skizzierte in ihrem eindruckvollen Vortrag den drohenden "Paradigmenwechsel in der Reproduktionsmedizin" durch die neuen Möglichkeiten von "homogenen Zeugungen". Die Biologin, die in ihrem Vortrag keinerlei Wertungen vornahm, zeigte auf, dass immer mehr homosexuelle Paare die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin als Weg zum eigenen Kind betrachten. Vor allem aber machte sie deutlich, dass die wachsende Akzeptanz der Laborzeugung das Verständnis von Fruchtbarkeit und natürlicher Zeugung verändern wird. Zeugung ohne technischen Eingriff drohe pathologisiert zu werden, da technische Alternativen bereit stünden. Als Beleg zeigte die Referentin, wie sich die Definition von Fruchtbarkeit inzwischen verändert habe. Während früher ein Paar als unfruchtbar galt, wenn es zwei Jahre ohne Erfolg ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, so gehe der Trend inzwischen dahin, dem Paar heute lediglich eine halbjährige Schonfrist zu gönnen. Entsprechende Definitionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) würden auf diese Weise aus der Unfruchtbarkeit eine "Volkskrankheit" machen.

 

Stefan Rehder