ALfA sorgt für Kinderglück

 

Ärzte legten psychisch erkrankter Mutter Abtreibung nahe

 

An einem Nachmittag im März rief mich ein Mann an, der durch verschiedene Umwege von der ALfA erfahren hatte und dringend ärztlichen Rat für seine Lebensgefährtin suchte, die sich in der 12. Schwangerschaftswoche befand.

 

Die Schwangerschaft wurde zufällig bei einem Rou-tinebesuch bei der Frauenärztin festgestellt. Beide waren schon über 40 Jahre, ein Kind war nicht geplant, insbesondere da die Lebensgefährtin wegen einer psychiatrischen Erkrankung, einer Form von Schizophrenie, seit längerem in ärztlicher Behandlung war. Sie nahm ein Psychopharmakon namens "Nipolept" ein.

 

Die erste Reaktion: nach anfänglicher Überraschung freuten sich beide über dieses unerwartete Kind! Doch nach einer Woche sollte es mit der Freude vorbei sein. Die Psychologen und Ärzte legten der Frau die Abtreibung des ungeborenen Kindes nah. Sie verunsicherten sie, indem sie behaupteten, ihre Psyche würde sich durch die Schwangerschaft verschlechtern, von daher solle sie jetzt umgehend vor dem Ende der 12-Wochen-Frist den Abbruch durchführen. Die Eltern des noch ungeborenen Kindes waren schockiert und verängstigt. Gerade mit der Situation vertraut geworden, sollte nun das Kind abgetrieben werden? "Die Hölle brach über uns herein", so der Mann. Immer neue negative Nachrichten wurden ihnen nahegebracht: Schäden des Kindes durch das Medikament, mütterliches Alter über 40 Jahren... Als würde das noch nicht reichen, war auch die Betreuerin der Frau gegen das Kind und wollte die Abtreibung des Kindes erwirken.

 

Der Mann stand nun allein mit seiner Frau da, mit dem Wunsch, doch noch einen Weg aus der Angst und Hilflosigkeit zu finden, damit dieses Kind doch leben könne. Die Frauenärztin sagte, "sie mische sich nicht ein", ihr sei es gleich, wie entschieden würde. Daraufhin rief er bei der ALfA an und erkundigte sich nach einem Frauenarzt aus diesem Verband.

 

Wir führten viele Telefonate, in denen wir uns mit den einzelnen für sie bedrohlichen Aspekten befassten, gaben der Frau eine Empfehlung zur Umstellung auf länger erprobte, noch besser in der Schwangerschaft verträgliche Psychopharmaka.

 

Die bisherige Einnahme des Medikaments Nipolept bedeutete auch nach den neuesten Empfehlungen noch nicht einmal eine Indikation zur invasiven Diagnostik. Wir konnten ihr das relativ geringe Risiko des mütterlichen Alters erklären, und sie in Zusammenarbeit mit einem Psychiater in der Haltung bestärken, das Kind doch zur Welt zu bringen. Die Tötung ihres Kindes hätte überdies zu der bestehenden psychischen Erkrankung noch ein weiteres psychisches Trauma hinzugefügt, unter dem sie lebenslang gelitten hätte, wie es schon bei – vorher gesunden – am "Post-Abortion-Syndrom" erkrankten Frauen bekannt ist.

 

Das Paar ging nunmehr gestärkt in die von den Psychologen und der Betreuerin in der Tagesklinik einberufene Konferenz, in der über das Leben des Kindes entschieden werden sollte. Sie vermittelten – inzwischen gut informiert – den Fachleuten all die gesammelten Informationen und konnten jedem der Einwände der Betreuer und Psychologen begegnen. Sie gaben ihrer neu gewonnenen Hoffnung Ausdruck, die sie mit dem gemeinsamen Kind verbanden, und berichteten den Fachkräften, dass sie Hilfe von einem Verband bekommen hatten, in dem sich Ärzte und Psychologen um sie gekümmert hatten und ihnen Mut zum gemeinsamen Leben mit dem Kind gegeben hatten.

 

Antonia erblickte am 20. August 2001 das Licht der Welt. Sie ist gesund, läuft seit dem 13. Lebensmonat, plappert seit dem 22. Lebensmonat ihre ersten kleinen Sätze, wie mir der Vater in der letzten Woche schrieb. Die Mutter nimmt noch ihre Medikamente ein, ihre Erkrankung hat sich nicht verschlechtert, im Gegenteil: Antonia ist der Mittelpunkt ihres Lebens, auf den sie sich – wie sie sagt - "jeden Morgen aufs neue freut".

Als ich mich für den Brief am Telefon bei dem Vater bedanke, quiekt Antonia im Hintergrund, sieht ihr Spiegelbild in einer dunklen Scheibe, lacht und sagt: "Tonia dunkel!".

 

Antonia hatte durch den Anruf des Vaters bei der ALfA ihre Chance bekommen, trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse zu überleben. Ich hoffe, dass viele Kinder wie Antonia, deren Leben "auf der Kippe steht", durch die ALfA auch diese Chance bekommen. Wenn auch manche Situation ausweglos erscheint – es lohnt sich, für diese Kinder einzustehen. Lassen Sie nichts unversucht, und tun Sie, was in Ihrer Macht steht, um der ALfA dabei zu helfen!

 

Dr. med. Dominik Schneider,

Frauenarzt

Kinder nach Maß

 

Soll Präimplantationsdiagnostik in Deutschland zugelassen werden?

 

Der ALfA-Regionalverband Trier hatte zu dieser Frage zu einer Podiumsdiskussion in der Volkshochschule Trier eingeladen. Auf dem Podium saßen Maren Müller-Erichsen, Stellv. Bundesvorsitzende der "Lebenshilfe" sowie die Bundestagsabgeordneten Karl Diller (SPD), Marita Sehn (FDP) und Ulrike Höfken (Grüne). Moderation: Michael Frisch, Vorsitzender der Trierer ALfA. Berhard Kaster (CDU) musste wegen Erkrankung absagen.

Bedeutet PID tödliche Selektion menschlichen Lebens oder stellt sie eine Hilfe für die Eltern dar? Zwischen diesen Sichtweisen bewegte sich die engagierte und faire Diskussion. Ab welchem Zeitpunkt kann man von menschlichem Leben sprechen? An dieser Frage schieden sich die Geister.

 

Karl Diller (SPD) verwies darauf, dass sich der Nationale Ethikrat mehrheitlich für die Zulassung der PID "unter strengen Auflagen" ausgesprochen habe. Er tendiere zu dieser Auffassung, doch sei für ihn die Diskussion noch nicht abgeschlossen. Er suche noch nach einer Lösung, PID für eingegrenzte Fälle zu erlauben, um Eltern Hoffnung auf ein gesundes Kind zu machen.

 

Marita Sehn (FDP) argumentierte gleichfalls für eine begrenzte Zulassung der PID. Sie wolle damit Paaren helfen, dieses Verfahren jedoch nur Eltern mit hohem Risikofaktor – in wenigen Zentren – erlauben. Niemand ließe diese Prozedur so einfach mit sich machen.

 

Laut Karen Müller-Erichsen verstößt PID gegen das Grundrecht auf Leben. Für sie beginnt menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ein- und Samenzelle. Sie lag damit eindeutig auf der Seite der Lebensschützer. Sie kenne keinen Behinderten, der nicht gerne lebt. Und: "Ein bißchen PID gibt es nicht."

Trotz der allgemein bekannten liberalen Einstellung zur Abtreibung kam Ulrike Höfken (Grüne) bezüglich PID dem Standpunkt der ALfA beträchtlich nahe. So sei Zeugung auf Probe nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Eine Zulassung der PID hätte für die Menschenwürde und das Recht auf Leben weit reichende Folgen. Wo liegen hier die Ausschlusskriterien? Mukoviszidose? Down-Syndrom? Außerdem steige durch die Zulassung der PID der Druck auf die Eltern, gesunde Kinder zu bekommen.

 

Michael Frisch, Vorsitzender des Regionalverbands Trier und engagierter Lebensschützer ohnehin, stellte als Moderator bei aller Neutralitätspflicht mit Geschick jeweils die richtigen Fragen an die Podiumsteilnehmer. Damit trug er dazu bei, dass diese Fragen auch angesprochen wurden.

 

Wolfgang Zahnhausen