"Das Kind muss weg"

Milena ist 38 Jahre alt und hat zwei fast erwachsene Kinder, die in Mazedonien leben. Sie hatte das Thema „Schwangerschaft“ als erledigt betrachtet und wollte zunächst nicht glauben, dass der Schwangerschaftstest positiv ausgefallen ist. Ihr erster Gedanke: „Das Kind muss weg.“ Zu viele Probleme schienen ihr keine andere Wahl zu lassen.: Milena ist geschieden, und der Vater des Kindes steht nicht dazu. Aufgrund einer psychischen Erkrankung muss Milena Medikamente einnehmen und befürchtet, dem Kind Schaden zuzufügen. Zudem hat sie mit dem Bleiberecht in Deutschland zu kämpfen und weiß einfach nicht, wie es weitergehen soll. Alle Verwandten leben hier. Milena ist in Deutschland aufgewachsen und hat im Rheinland die Schule besucht. Weil sie nach der Heirat ihrem Mann in die Heimat gefolgt ist, hat sie als einziges Familienmitglied keine Aufenthaltserlaubnis. Milena hat keinen Anspruch auf staatliche Gelder und ist nicht einmal krankenversichert. Die ALfA hat sich sofort bereit erklärt, gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen zu bezahlen. Zudem sagten wir Hilfe beim Kauf von Schwanger-schaftsbekleidung und der Babyerstausstattung zu. Milena nahm die Hilfe dankbar an und entschied sich für das Kind. Inzwischen ist David geboren, und alles verlief gut. Weil der Kindsvater deutscher Staatsbürger ist, muss Milena keine Ausweisung mehr befürchten und hat Kinder- und Erziehungsgeld beantragt, und ihr steht Unterhalt zu. Heute ist sie froh, die richtige Entscheidung getroffen zu haben: „Danke, danke für die ALfA-Hilfe!“

Brigitte Kaiser-Afroune,
Dipl.-Sozialarbeiterin

Hilfe zur Selbsthilfe

Patenschaftsaktion der ALfA unterstützt Studenten-Elternpaar

Oft ist sehr vielfältige Hilfe nötig, um einer jungen Frau und ihrem Kind zu helfen, und eine ganze Reihe von ALfA-Mitgliedern ergänzt die finanzielle Hilfe der Patenschaftsaktion durch großartiges persönliches Engagement. Immer wieder wenden sich jedoch auch Menschen an uns, die ihr Leben sonst gut organisiert haben, durch eine Schwangerschaft jedoch vorübergehend in Not geraten:
Das junge Paar war überglücklich und freute sich riesig auf das Baby, das sich unverhofft angemeldet hatte. Erst vor kurzem hatten die beiden geheiratet, aber da Tobias seit seinem 16. Lebensjahr gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen ist, hatten sie sich keine großen Hoffnungen auf eigene Kinder gemacht. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung studiert er jetzt Wirtschaftsmathematik, Karin wird bald ihr Studium der Pädagogik beenden. Bei äußerst sparsamer Lebensweise kommt das junge Paar mit Karins BAFöG, dem Job im Supermarkt, Tobias‘ Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni und den Ersparnissen aus dem Fe-rienjob so eben zurecht. Wegen der Schwangerschaft lässt Karin sich für ein Semester beurlauben, da verliert sie den Neben-job, das BAFöG fällt weg. Sozialhilfe bekommen Studenten nicht. Tobias‘ Eltern sind zu wirtschaftlicher Unterstützung nicht bereit, Karins Vater ist als Rentner nicht in der Lage zu helfen. Schnell sind alle Reserven aufgezehrt – wie soll nun die Miete bezahlt werden? Das Paar wendet sich an die ALfA und bittet lediglich um Zuschüsse zur Miete der nächsten vier Monate. Nach der Geburt des Kindes könnten sie mit Kindergeld, Erziehungsgeld und BAFöG wieder allein zurecht kommen. Die Patenschaftsgruppe freut sich, den mutigen jungen Leuten mit diesem vergleichsweise bescheidenen Betrag helfen zu können. Karins herzlichen Dank geben wir gern an alle Spender weiter.

Monika Diessel