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Pränatest: Hecken erklärt sich

Frankfurt (ALfA). Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) von Ärzten und Krankenkassen, Josef Hecken, hat eine Beratungspflicht von Eltern vor der Durchführung nichtinvasiver, pränataler Gentests gefordert. „Vor der Anwendung eines solchen Tests sollten die Eltern darüber beraten werden, wie sie mit dem Ergebnis umgehen können“. Sie würden womöglich „mit Wissen konfrontiert, das sie vor existenzielle Fragen stellt“, erklärt Hecken im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (F.A.Z.).

Der G-BA-Vorsitzende sprach sich zudem dafür aus, den umstrittenen Pränatest, mit dem sich die Trisomien 13, 18, und 21 bei ungeborenen Kinder detektieren lassen, bei Risikoschwangerschaften zu einer Regelleistung der Gesetzlichen Krankenkassen zu machen. Als Risikoschwangerschaften gelten Schwangerschaften von Frauen, bei denen entweder anamnetische Risikofaktoren vorliegen, die aus der Krankengeschichte der Schwangeren resultieren oder aber eine rein statistische Relevanz besitzen. So gelten Schwangerschaften von Frauen, die unter 18 oder über 35 Jahre alt sind, generell als Risikoschwangerschaften. Bislang wird der Pränatest in Deutschland als „Individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) angeboten, gesetzlich Versicherte müssen ihn daher selbst zahlen.

Im Sommer hatte der G-BA die Einleitung eines Bewertungsverfahrens beschlossen, an dessen Ende die Aufnahme des Pränatests in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen stehen könnte. Bei dem Verfahren wird unter rein wissenschaftlich-technischen Gesichtspunkten geprüft, ob sich mit dem Pränatest bestimmte Gendefekte zuverlässig erkennen lassen.

Mehrere Gesundheitspolitiker und die katholische Kirche hatten dies kritisiert. Im Interview mit der F.A.Z. wies Hecken die Kritik jetzt als „teilweise verlogen“ zurück. „Alle, die uns jetzt vorwerfen, wir würden ein Selektionsinstrument in die Versorgung der gesetzlichen Krankenversicherungen bringen wollen, nehmen seit 31 Jahren hin, dass mit der Fruchtwasseruntersuchung eine pränataldiagnostische Methode bei Risikoschwangerschaften als Kassenleistung zur Verfügung steht, um, wenn ich mich der Wortwahl der Kritiker anschließe, mutmaßlich behinderte Kinder zu selektieren“, sagte er. Es zeuge von einer „Doppelmoral“, die riskantere Fruchtwasseruntersuchung zu akzeptieren, aber auf ein weniger riskantes und weniger belastendes Verfahren zu verzichten.

Ferner kritisierte Hecken, dass nach der derzeitigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs jeder Gynäkologe aus haftungsrechtlichen Gründen verpflichtet sei, Frauen bei Risikoschwangerschaften über die Möglichkeiten und Grenzen von Pränataldiagnostik umfassend aufzuklären. Er halte es „für zutiefst unethisch, dass aufgrund höchstrichterlicher Rechtsprechung ein behindertes Kind als Schaden definiert werden kann. Aber der Gesetzgeber hat diese Rechtsprechung hingenommen.“


HFEA erlaubt „Drei-Eltern-Babys“

London (ALfA). In Großbritannien dürfen Forscher künftig im Rahmen klinischer Studien im Labor menschliche Embryonen mit dem Erbgut dreier Menschen erzeugen. Das teilte am Donnerstag die zuständige Aufsichtsbehörde, die Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) mit. Bei dem von der HFEA erlaubten Verfahren geht es  um den von dem russischen Klon- und Stammzellforscher Shoukhrat Mitalipov entwickelten Spindel-Transfer sowie um eine an Universität Newcastle entwickelte Variante. Sie sollen Frauen, die an Mitochondriopathien leiden, davor bewahren, diese auf ihre Kinder zu vererben.

Mitochondriopathien treten höchst selten auf, können aber zu unterschiedlich stark ausgeprägten Herzerkrankungen sowie Taubheit, Blindheit, Nervenleiden und Diabetes führen. In den USA, wo jährlich rund 4,8 Millionen Kinder geboren werden, erkranken Schätzungen zufolge zwischen 1 000 und 4 000 von ihnen an einer Mitochondriopathie.

Mitochondrien sind wichtige Zellorganellen, die von Biologen als „Kraftwerke“ der Zellen bezeichnet werden und sich im Zytoplasma befinden. Sie beherbergen etwa ein Prozent des menschlichen Erbgutes. Die übrigen 99 Prozent sind im Zellkern verborgen. Die 37 Gene der mitochondrialen DNA kodieren – nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft – für 13 Proteine und werden nur von Frauen auf ihre Kinder vererbt.

Bei der von Mitalipov entwickelten Technik werden zunächst die Eizellen der an einer Mitochondriopathie leidenden Frau entkernt. Anschließend werden die Zellkerne in die Eizellhüllen ebenfalls entkernter Eizellen einer Frau mit gesunder mitochondrialer DNA eingebracht. Die Eizellen enthalten nun die mitochondriale DNA der Spenderin sowie den Chromosomensatz der an der Mitochondriopathie leidenden Frau. Anschließend können die Eizellen mit dem Sperma des Partners der an einer Mitochondriopathie leidenden Frau befruchtet und dieser eingesetzt werden. Auf diese Weise erzeugte Embryonen würden genetisch von zwei Frauen und einem Mann abstammen.

Bei der in Großbritannien an der Universität Newcastle entwickelten Variante werden keine unbefruchteten Eizellen verwandt, sondern sogenannte Vorkern-Stadien. Das heißt, sowohl die Eizellen der gesunden Spenderin als auch jene der an einer Mitochondriopathie leidenden Frau werden zunächst mit dem Sperma des Mannes befruchtet. Anschließend werden die Eizellen der Spenderin entkernt. In die zurückgebliebenen Eizellen mit den gesunden Mitochondrien werden dann die Zellkerne der noch nicht verschmolzenen Ei- und Samenzelle aus den Eizellen der an einer Mitochondriopathie leidenden Frau übertragen.

Den gesetzlichen Rahmen dafür hatte das britische Parlament bereits im vergangenen Jahr geschaffen und mit deutlicher Mehrheit eine entsprechende Ergänzung des „Human Fertilisation and Embryology Act“, des britischen Fortpflanzungsmedizingesetzes, beschlossen. Die katholische Bischofskonferenz von England und Wales hatte die Entscheidung damals kritisiert und betont, bislang habe kein anderes Land die Methode freigegeben. Es gebe „ernstzunehmende ethische Bedenken“ gegen das Verfahren, das „die Zerstörung eines menschlichen Embryos als Teil des Prozesses“ voraussetze. Ein menschlicher Embryo sei ein neues menschliches Leben und dürfe nicht als „frei verfügbares Material“ behandelt werden. Ähnlich äußerten sich auch Schottlands Bischöfe. Um einen krankheitsfreien Embryo zu konstruieren, müssten zwei gesunde Embryonen zerstört werden. Eine solche Technik sei keine Behandlung: „Sie heilt nichts und niemanden; eher versucht sie, jeden, der von bestimmten Umständen betroffen ist, aus dem Genpool zu entfernen.“


AMG-Novelle passiert Bundesrat

Berlin (ALfA). Mit dem Bundesrat hat am Freitag auch die Länderkammer die zuvor vom Bundestag beschossene Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG) gebilligt. Diese sieht neben Verbesserungen bei der Arzneimittelsicherheit künftig auch die Möglichkeit vor, Medikamente an nichteinwilligungsfähigen Personen zu testen, wenn diese sich dazu in einem einwilligungsfähigen Zustand vorab schriftlich bereit erklärt haben. Und zwar einschließlich solcher Tests (gruppen- bzw. fremdnützige Forschung), von denen die Probanden selbst keinerlei Nutzen haben (Mehr dazu: siehe ALfA-Newsletter vom 12.11.2016).


Contergan: Mehr Geld für Geschädigte

Berlin (ALfA). Menschen, die durch das Medikament Contergan geschädigt wurden, sollen künftig bessere Leistungen erhalten. Dazu hat der Bundestag in dieser Woche das Vierte Gesetz zur Änderung des Conterganstiftungsgesetzes beschlossen. Leistungen für spezifische Bedarfe sollen künftig pauschal und ohne Antrag ausgezahlt werden. Alle Betroffene erhalten hierfür einen jährlichen Sockelbetrag sowie zusätzliche Leistungen, die nach der Schwere der Schädigung gestaffelt sind.

„Ich freue mich, dass die Unterstützungsleistungen für die contergangeschädigten Menschen verbessert werden. Die Leistungen für besondere Bedarfe werden künftig pauschal, unbürokratisch und ohne langwierige Einzelprüfungen ausgezahlt, so dass die Leistungen die Betroffenen besser erreichen. Sie können zudem selbst über die Verwendung der Mittel entscheiden“, erklärte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig (SPD), in einer Pressemitteilung.

Durch die Auszahlung pauschaler Beträge verringere sich auch der Aufwand für die Auszahlung der Leistungen für spezifische Bedarfe deutlich. Für die Betroffenen werde es leichter, Leistungen zu bekommen. Außerdem werde Bürokratie abgebaut. Die Conterganstiftung für behinderte Menschen könne damit stärker als Servicestelle und Dienstleister für die Betroffenen ausgebaut werden.


Termine

13.-15.01. Akademie Bioethik
Zellhaufen? Mensch? Menschenrechte?
Gilt das Menschenrecht auf Leben schon vor der Geburt?

Veranstalter: Christdemokraten für das Leben (CDL), Jugend für das Leben (JfdL) in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung

Veranstaltungsort: Jugendherberge Köln-Deutz, Siegesstraße 5, 50679 Köln
Tagungsbeitrag: 70,00 Euro (inkl. Übernachtung, Frühstück); 40,00 Euro (ohne Übernachtung, Frühstück)
Der Teilnehmerbeitrag kann auf Antrag bei CDL oder ALfA erlassen werden.

Anmeldung und/oder weitere Infos: kontakt@jugendfuerdasleben.de

ALfA e.V.Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V. - Geschäftsstelle
Ottmarsgäßchen 8 | D-86152 Augsburg

ALfA e.V.info@alfa-ev.de

ALfA e.V.0821-512031

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