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Ärzte warnen vor Neo-Eugenik

Heidelberg (ALfA). Angesichts der jüngsten Entwicklung der Präimplantationsdiagnostik (PID) sowie der nicht-invasiven pränatalen Diagnostik (NIPD) warnen der Mannheimer Medizinhistoriker Axel W. Bauer, der Münsteraner Labormediziner Paul Cullen und der Bruchsaler Gynäkologe Michael Kiworr in einem gemeinsamen Aufsatz in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts (Dtsch. Ärztbl. 2017: 114 (6): A 255-7) vor „neo-eugenischen Impulsen“ in Deutschland. Das berichtet die katholische Zeitung: „Die Tagespost“. Wie die Zeitung erläutert, haben die Autoren für ihre „Streitschrift“ Literatur verglichen, in der „zwei Gruppen detailliert über die Aktivitäten in drei der seit Februar 2014 zugelassenen PID-Zentren berichten (Lübeck und Hamburg sowie in Freiburg).

Ihr Ergebnis: „Es werden Fälle zugelassen, in denen der Gendefekt nicht bekannt, in denen der Betroffene eine nahezu normale Lebenserwartung haben kann, die Ausprägung der Erkrankung variabel ist oder in denen Behandlungen existieren, während andere Fälle aus denselben Gründen abgelehnt werden.“ Nach Ansicht der Autoren erzeugt „jede PID-Zulassung einen Präzedenzfall“. „Was man Familie Hansen in Flensburg gewährt, wird man Familie Brunner in Passau nicht verwehren können“, so Bauer, Cullen, der auch Vorsitzender der „Ärzte für das Leben“ ist, und Kiworr weiter. Die Autoren fürchten, dass eine solche Handhabung „nach und nach zur faktischen Freigabe der PID“ führe. Da zudem „das Wesen“ der PID „einzig und allein in der Selektion“ bestehe, fördere „die PID den eugenischen Gedanken“.

Dem Ziel einer eugenischen Selektion dient nach Ansicht des Autoren-Trios auch eine andere, neuere Methode vorgeburtlicher Diagnostik, die „weitaus häufiger“ als die PID und „mit steigender Tendenz“ angewandt werde. Gemeint sind der sogenannte „Praenatest“, der von der Konstanzer Bio-Tech-Schmiede „Lifecodexx“ vertrieben wird, sowie die Konkurrenzprodukte anderer Hersteller. Bei diesen Tests, bei denen DNA-Bruchstücke des Kindes im maternalen Blut untersucht wird, handelt es sich um nicht-invasive pränatale Diagnostik-Verfahren (NIPD), mit denen ungeborene Kinder auf das Vorliegen möglicher Trisomien, wie das Down-Syndrom getestet werden können.

Nach Ansicht von Behindertenverbänden verstoßen dieses Bluttests gegen die auch von Deutschland unterzeichnete UN-Behindertenrechtskonvention. Am Dienstag dieser Woche hatten sich mehrere Behindertenvereine sowie das Gen-ethische Netzwerk und die Diakonie Württemberg erneut gegen den Test gewandt und verlangt, dieser dürfe nicht in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden. Der Grund: Der Gemeinsame Bewertungsausschuss (G-BA) der Ärzte und Krankenkassen hatte im August vergangenen Jahres ein Methodenbewertungsverfahren eingeleitet, an dessen Ende die Aufnahme von NIPD in die reguläre Schwangerenvorsorge stehen könnte. In diesem Fall würde der bislang nur als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) erhältliche Test zu einer gewöhnlichen Kassenleistung.

Nach Ansicht von Bauer, Cullen und Kiworr werde „eine Übernahme der Kosten dieses Tests durch die Krankenkassen“ jedoch „mit ziemlicher Sicherheit“ zu „einer deutlichen Ausweitung der Diagnostik“ führen. Aufgrund der meist ausführlichen Prüfung, die einer Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung vorausgehe, herrsche „in der Bevölkerung außerdem nicht zu Unrecht die Meinung, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse ein Gütesiegel tragen“. Diese Haltung könne man mit „der Frage zusammenfassen: ,Was kann daran schlimm sein, wenn die Kasse dafür zahlt?‘“

Das Autoren-Trio kommt daher in seinem Aufsatz zu dem Schluss: „Entgegen der allgemeinen Meinung in Öffentlichkeit und Ärzteschaft ist die Diskussion um die vorgeburtliche Diagnostik durch die neuen Techniken nicht zur Ruhe gekommen. Im Gegenteil: Ethische Standards werden gelockert und Indikationen willkürlich ausgeweitet.“ Hinzu komme, „dass die Verfahren zur vorgeburtlichen Diagnostik immer billiger“ würden und „durch die Übernahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen eine ,Normalisierung‘ eintrete“. Wörtlich heißt es: „Dieser starke neoeugenische Impuls steht jedenfalls in diametralem Widerspruch zur hippokratischen Tradition.“

Das Deutsche Ärzteblatt wird von der Bundesärztekammer herausgegeben. Die Redaktion des Blattes hat unter pid@aerzteblatt.de zur Diskussion des Beitrags eingeladen.


Abtreibung: Abgeordnete lassen Gesetz passieren

Paris (ALfA). Die französische Nationalversammlung hat am Donnerstag die umstrittene Gesetzesvorlage zur Bestrafung von Internetseiten-Betreibern passieren lassen, die angeblich „irreführende Informationen“ rund um die Themen Schwangerschaft und Abtreibung im Internet verbreiten. Damit könnten Behauptungen und Darstellungen, die das Ziel verfolgten, Frauen und ihre ungeborenen Kinder von einer Abtreibung zu bewahren, zukünftig mit bis zu zwei Jahren Haft oder 30.000 Euro Geldstrafe geahndet werden. Das berichtet die Katholische Nachrichtenagentur KNA.

Frankreichs Bischöfe hatten sich bereits im Vorfeld der Entscheidung sehr besorgt über den Gesetzesvorstoß gezeigt. In einem Brief an Staatspräsident Francois Hollande schrieb der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Georges Pontier, ein Schwangerschaftsabbruch sei ein „schwerwiegender Vorgang, der zutiefst das Gewissen anfragt“. Eine solche „dramatische Entscheidung“ könne Frauen in existenzielle Not bringen. Wie die Agentur weiter berichtet sähen Juristen große Schwierigkeiten, zwischen dem Versuch der Verhinderung von Abtreibung und der Meinungsfreiheit zu unterscheiden. „Es ist immer delikat, angebliche Lügen und Behauptungen unter Strafe zu stellen, wenn der Staat Wahrheiten definiert“, so die Datenschutz-Aktivistin Adrienne Charmet im November. Jeder habe das Recht, sich gegen Abtreibung auszusprechen. Hier gehe es aber darum, eine falsche Präsentation von Fakten zu definieren, so Charmet.

Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg hat in einem Urteil klargestellt, dass Betreiber von Internetseiten gegen Abtreibung nur dann bestraft werden können, wenn sie zu Gewalt aufrufen oder Pflegepersonal beleidigen.


Polen: „Pille danach“ künftig nur auf Rezept

Warschau (ALfA). Polens nationalkonservative Regierung will den Zugang zur „Pille danach“ einschränken. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. Demnach sagte ein Regierungssprecher am Mittwoch im Nachrichtensender TVN24, in Polen werde die „Pille danach“ künftig „nur“  noch „auf Rezept“ erhältlich sein. Von dieser Regel solle es „keine Ausnahme“ geben. Die von der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) geführte Regierung hatte am Dienstag einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen. Das Parlament muss darüber allerdings noch befinden. Seit 2015 ist die „Pille danach“ in Polen frei verkäuflich erhältlich.

In Deutschland war die „Pille danach“ nach kontroverser Debatte im März 2015 aus der Rezeptpflicht entlassen worden.


Ärzte üben Kritik an Patientenverfügung

Amsterdam (ALfA). Niederländische Ärzte haben den Stellenwert von Patientenverfügungen kritisiert. In keinem anderen Land der Welt werde so viel Gewicht auf die Patientenverfügung gelegt, schreiben acht Ärzte in einem am Mittwoch in der niederländischen Zeitung „NRC“ veröffentlichten Meinungsartikel. Die Regeln zur Euthanasie in den Niederlanden sehen vor, dass Ärzte sich auf die Patientenverfügung berufen können, wenn ein Patient nicht mehr in der Lage ist, sich zur Sterbehilfe zu äußern.

Die Ärzte argumentieren nun in den Niederlanden beruhe die „Tötung auf Verlangen“ auf dem Dialog zwischen Arzt und Patient. Ohne eine gemeinsame Entscheidung und ohne eine Bestätigung des Patienten, dass er noch immer hinter seiner Willenserklärung stehe, sei ein „Tötung auf Verlangen“ „undurchführbar“, da ihr die moralische Grundlage fehle. „Selbstbestimmung“ des Patienten und „Barmherzigkeit“ des Arztes seien die beiden wichtigsten „moralischen Säulen“ der „Tötung auf Verlangen“ in den Niederlanden: „Das eine kann nicht ohne das andere existieren.“ Nach Ansicht der Ärzte bestehe darin der ethische Unterschied zwischen „Tod geben“ und töten. Um das Leiden von Menschen mit Demenz zu lindern, gebe es verhältnismäßigere Mittel als die „Tötung auf Verlangen“.

Ende 2015 hatte die niederländische Gesundheitsministerin Edith Schippers die „Tötung auf Verlangen“ auch bei fortgeschrittener Demenz gestattet, wenn der Betreffende vor Beginn der Krankheit eine entsprechende Patientenverfügung erstellt hatte. Da aber zugleich auch bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung vor der Erteilung von Sterbehilfe geprüft werden soll, ob sie unerträglich leiden, sind sich viele Ärzte unsicher, was gilt. Viele Patienten leiden im fortgeschrittenen Demenzstadium nämlich nicht nur nicht unerträglich, sondern bisweilen überhaupt nicht mehr unter ihrer Erkrankung.

Im Januar war zum ersten Mal eine Ärztin von der Sterbehilfe-Überprüfungs-Kommission (RTE) gerügt worden. Es sei nicht eindeutig geklärt gewesen, ob die Demenz-Patientin die Sterbehilfe zu dem Zeitpunkt, als sie erteilt wurde, tatsächlich gewollt habe. Laut Medienberichten hatte sich die Patientin gegen die Giftspritze gewehrt und war von ihren Angehörigen festgehalten worden. In einer Patientenverfügung hatte sie jedoch die „Tötung auf Verlangen“ im Falle einer Demenzerkrankung „zu einem späteren Zeitpunkt“ verfügt.


Euthanasie zwecks Kostensenkung?

Wien (ALfA). Bei der Frage nach einer Liberalisierung des Tötungsverbots am Lebensende spielt die Kostenreduktion im Gesundheitssystem nach Ansicht der Österreichischen Bioethikerin Susanne, möglicherweise „eine größere Rolle“ als „in der Öffentlichkeit bislang wahrgenommen“ worden sei. Die Geschäftsführerin des Wiener Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) verweist auf eine aktuelle kanadische Studie, in der berechnet werde, inwieweit durch sogenannte „aktive Sterbehilfe“ Geld im Gesundheitssystem eingespart werden kann. Für Kanada wären das bis zu 139 Millionen Dollar jährlich (rund 99 Millionen Euro), schreiben die Autoren, die unter dem Titel „Kostenanalyse von medizinischer Sterbehilfe“ aktuell im offiziellen Organ der Kanadischen Ärztekammer, dem Canadian Medical Association Journal (CMAJ) ihre Studie veröffentlichten (CMAJ January 23, 2017: 189(3), doi:10.1503/cmaj.160650).

Laut Kummer erklärten der Gesundheitswissenschaftler Aaron J. Trachtenberg und der Gesundheitsökonom Braden Mann von der Universität Calgary zwar, ihre Analyse dürfe nicht als Plädoyer für aktive Sterbehilfe als Mittel der Kostenreduktion verstanden werden. Dennoch lieferten sie eine penible Analyse der positiven Effekte für die Kassen des Gesundheitssystems.

„Angesichts der demographischen Entwicklungen und der Kostenspirale im Gesundheitswesen wird der Ruf nach einer Legalisierung von Euthanasie in den kommenden Jahren noch lauter werden“, zeigt sich Kummer überzeugt. „Allein die Tatsache, dass Töten auf Verlangen und Assistierter Suizid mit Kosteneinsparungen in Relation gesetzt werden, ist ein fatales Signal an die Gesellschaft. Der Druck, sich aus Kostengründen frühzeitig aus dem Leben zu verabschieden, steigt damit“, kritisiert die Bioethikerin.

Bereits 1998 hatten US-Wissenschaftler ein nationales „Einsparungspotenzial“ für das amerikanische Gesundheitssystem in der Höhe von jährlich 627 Millionen Dollar errechnet, sollte aktive Sterbehilfe bei Terminalkranken legalisiert werden (NEJM 1998; 339(3): 167-172).

Mehr dazu unter: www.imabe.org


§ 218: Süssmuth von Kirche enttäuscht

Berlin (ALfA). Die CDU-Politikerin Rita Süssmuth hat es eigenen Angaben zufolge als sehr enttäuschend empfunden, dass sich die katholische Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung zurückzogen hat. „Das habe ich nicht verstanden, und es hat mich sehr betroffen gemacht“, sagte Süssmuth am Mittwoch in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Süssmuth feierte am Freitag ihren 80. Geburtstag.

1999 hatten die katholischen Bischöfe Deutschlands auf Geheiß von Papst Johannes Paul II. beschlossen, aus dem staatlichen System der Konfliktberatung auszusteigen. Nach Überzeugung des Papstes verdunkelt der Beratungsschein, der Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung ist, das kirchliche Zeugnis für den Lebensschutz. Seither werden in kirchlichen Beratungsstellen keine Beratungsscheine mehr ausgegeben. Einige prominente Katholiken gründeten darauf den Verein „Donum Vitae“, der den Beratungsschein weiter ausstellt. Die Bischöfe haben wiederholt bekräftigt, dass „Donum Vitae“ eine „Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche“ sei. Die frühere Gesundheitsministerin, die sich beim Paragraf 218 für eine Fristenregelung mit Beratung und Letztentscheidung der Frau eingesetzt hatte, betonte, sie denke immer noch, wer „das ungeborene Leben schützen will, darf nicht aus der Schwangerenkonfliktberatung aussteigen“.

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