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Leihmutterschaft: Linder lobt Europarat

Straßburg/Augsburg (ALfA). Die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V., Alexandra Linder, hat die „deutliche Ablehnung der Leihmutterschaft“, in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats als „klares Signal für die Würde des Menschen“ gewertet. Vergangene Woche hatte die Parlamentarische Versammlung des Europarats in Straßburg mit 83 zu 77 Stimmen einen Antrag abgelehnt, der die Leihmutterschaft in Europa etablieren wollte. Die deutschen Parlamentarierstimmen waren geteilt: Während die Vertreter von CDU/CSU den Antrag ablehnten, stimmten die SPD-Parlamentarier sowie je ein Vertreter der Linken und der Grünen dafür.

In einer Mitteilung an die Presse erklärte Linder: In Staaten, in denen die Leihmutterschaft zugelassen sei, würden „für Paare aller Art Kinder mit gewünschten genetischen Eltern künstlich hergestellt und dann zum Beispiel von preiswerten Leihmüttern in Indien ausgetragen. Damit werden Frauen zu ausgebeuteten Gebärmaschinen und Kinder zu bestellbaren Produkten. Das ist ein eindeutiger Verstoß gegen die Menschenwürde sowohl von Frauen als auch von Kindern.“ Das Abstimmungsverhalten der deutschen Parlamentarier kommentierte Linder folgendermaßen: „Wir wundern uns darüber, dass sich ausgerechnet die Vertreter von Parteien, die sich zum Feminismus bekennen, bei einer solchen Abstimmung für die frauenfeindliche Seite entscheiden.“


Eizellen im Labor hergestellt

Kyoto (ALfA). Japanischen Forschern um die beiden Entwicklungsbiologen Orie Hikabe und Katsuhiko Hayashi von der Universität Kyoto ist es in Tierversuchen offenbar gelungen, aus reprogrammierten Hautzellen erstmalig funktionsfähige Eizellen – außerhalb eines Organismus – im Labor zu entwickeln. Das berichtet die katholische Zeitung „Die Tagespost“ unter Berufung auf eine Publikation der Forscher im Wissenschaftsmagazin „Nature“ (Nature: Hikabe, Hayashi et al., 2016). Dem Bericht zufolge sollen die Forscher Hautzellen aus dem Schwanz von Mäusen entnommen und durch Reprogrammierung in sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (IPS-Zellen) verwandelt haben. In einem weiteren Schritt hätten sie aus den IPS-Zellen Mäuse-Eizellen gezüchtet und in der Petrischale befruchtet. Anschließend transferierten sie die befruchteten Mäuse-Eizellen in die Gebärmutter eines Mäuseweibchens, wo sie zu gesunden Jungtieren heranreiften, die sich später auf natürlichem Wege selbst fortpflanzen konnten. Wie die Zeitung weiter schreibt, hätten die Forscher 316 Versuche benötigt, um auf diesem Wege elf gesunde Mäuse zu züchten. Eine Vielzahl der reprogrammierten Eizellen sei dabei fehlprogrammiert worden. Dennoch werteten Wissenschaftler das Experiment als Erfolg. Manche halten die Ergebnisse des Tierversuchs auch für übertragbar auf Menschen. „Wir stehen kurz davor, komplette Kontrolle über unsere Keimbahn zu erlangen“, zitiert das Blatt den Stammzellforscher Thomas Zwaka von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York.


„sachlich unmöglich“

Berlin (ALfA). Bei der Öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags am Mittwoch dieser Woche gelangten die Experten erwartungsgemäß zu unterschiedlichen Ansichten in der strittigen Frage, ob Arzneimittelstudien in Deutschland künftig auch an Menschen durchgeführt werden sollen, die bei Durchführung klinischer Prüfungen von Humanarzneimitteln nichteinwilligungsfähig sind. Das berichtet das Online-Portal des „Deutschen Ärzteblatts“.

Dem Bericht zufolge hält der Mediziner Johannes Pantel von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main eine Änderung der bestehenden Gesetzeslage in Deutschland für verzichtbar. Die etwa bei Demenz infrage kommenden Wirksamkeitsstudien und diagnostischen Studien versprächen vor allem in der Frühdiagnostik wesentliche Fortschritte. Zu bedenken gab Pantel ferner, dass für die Forschung relativ viele Probanden benötigt würden, die mit den vorgeschlagenen Regelungen womöglich gar nicht zu erreichen seien. Zudem berge eine Vorabverfügung das Risiko einer „schwer kalkulierbaren Wissens- und Informationslücke“. Dies eröffne einen Graubereich, der für Probanden riskant sein könne. Andreas Lob-Hüdepohl vom Berliner Institut für christliche Ethik und Politik, der auch Mitglied des Deutschen Ethikrats ist, erklärte, eine vorausverfügende Einwilligung in etwas, das in den erforderlichen Details nicht vorliege, sei „aus sachlichen Gründen unmöglich“. Deshalb plädiere er für die Beibehaltung des bisherigen Schutzniveaus. Dies sei „ethisch geboten, um nichteinwilligungsfähige Erwachsene ausreichend vor einer Instrumentalisierung zu schützen“. Nach Ansicht des Mediziners Eckhard Nagel ist es sinnvoll, eine „klare Grenze“ zu ziehen und die Tendenz deutlich zu machen, dass solche Studien auch zum Nutzen der Patienten sein müssten. Es bestehe durchaus die Gefahr einer „Verzweckung“ von Menschen.

Dagegen erklärte der Heidelberger Medizinrechtler Jochen Taupitz, dem Grundgesetz könne kein ausschließlich individualistisch und eigennützig ausgerichtetes Menschenbild entnommen werden, dem jeglicher Gedanke an Solidarität mit gleichermaßen Betroffenen fremd sei. Der Eigennutzen sei keineswegs das Maß aller Dinge, und das „Ansinnen von Solidarität“ beinhalte nicht von vornherein ein Herabwürdigen zum Objekt. Im Übrigen könne auch die „eigennützige“ Forschung einen unmittelbaren Nutzen für die Betroffenen nicht garantieren.

Auch der Jurist Sebastian Graf von Kielmansegg von der Christian-Albrechts-Universität Kiel stellte  sich auf den Standpunkt, dass aus der Menschenwürde kein ausnahmsloses Verbot jeglicher gruppennützigen Forschung an Nichteinwilligungsfähigen abzuleiten sei. Bei Patienten mit schweren Erkrankungen sei die Bereitschaft weit verbreitet, auch ohne unmittelbaren Eigennutzen an der medizinischen Forschung zu ihrem Leiden mitzuwirken. Allerdings dürfe die gruppennützige Forschung an nicht einwilligungsfähigen Personen nur minimale Risiken und Belastungen verursachen. Kielmansegg empfahl, im Gesetz die „Bedeutung der Schwelle minimaler Risiken und Belastungen“ zu konkretisieren.


Hüppe: bioethischer Türöffner

Berlin (ALfA). „Die schriftlichen Stellungnahmen einiger geladener Sachverständiger, die die gruppennützige Forschung an Nichteinwilligungsfähigen befürworten, gehen erschreckend viel weiter als der strittige Gesetzentwurf. Sie sprechen sich nur wenig verklausuliert für alles an fremdnütziger Forschung aus, was mit der EU-Verordnung möglich ist, bis hin zu fremdnütziger Forschung an nichteinwilligungsfähigen Erwachsenen und Kindern mit geistiger Behinderung.“ Das erklärte vor der Öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe. Hüppe ist Berichterstatter für medizinische Ethik und klinische Prüfungen der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Gesundheit sowie Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe. Bereits im Juni hätte die Psychiatrie-Fachgesellschaft DGPPN kritisiert, dass die geplante Regelung zur fremdnützigen Forschung an nichteinwilligungsfähigen Personen eine solche Forschung an Menschen mit geistigen Behinderungen unmöglich mache. „An den heutigen Stellungnahmen wird erneut erkennbar, wohin die Reise führen könnte. Insbesondere, wenn die komplizierte Regelung mit Vorausverfügung nach Aufklärung zu wenige Probanden für die Forschung hervorbringt, ist die Forderung zu erwarten, auch die hinderliche Vorausverfügung abzuschaffen und die Tür ganz zu öffnen“, so Hüppe weiter. Die „heute diskutierte Absenkung des Schutzniveaus für nicht einwilligungsfähige Erwachsene mit Patientenverfügung“ sei „ein bioethischer Türöffner für fremdnützige Forschung auch an Personen, die - wie z.B. Kinder mit geistiger Behinderung - nie in der Lage waren, eine Verfügung zu verfassen.“ Es sei „daher konsequent, dass die Bundesvereinigung Lebenshilfe sich mit einstimmigen Beschlüssen von Bundesvorstand und Mitgliederversammlung gegen die Einführung gruppennützer Forschung an Nichteinwilligungsfähigen und vor die Menschen mit geistiger Behinderung gestellt hat“, so Hüppe abschließend.


„Zynisch und völlig praxisfern“

Münster (ALfA). Der Verein „Ärzte für das Leben“ ist über Meldungen aus den Niederlanden, dass die dortige Regierung Überlegungen anstellt, Suizidbeihilfe bei „älteren“ gesunden Menschen, die des Lebens überdrüssig sind, zu erlauben, zutiefst bestürzt. „Besonders beunruhigen muss der Hinweis in einem Brief von Gesundheitsminsterin Edith Schippers und Justizminister Ard van der Steur an das niederländische Parlament, dass der ,Todeshelfer’ einen ,medizinischen Hintergrund’ haben soll. Hier wird die Entwicklung sichtbar, vor der wir und viele andere im Vorfeld der Gesetzgebung zur Suizidbeihilfe letztes Jahr in Deutschland gewarnt haben. Ist das Recht auf Leben grundsätzlich in Frage gestellt, so brechen nach und nach alle Dämme und es gibt keinen Halt mehr“, erklärte der Vorsitzende des Vereins, Professor Dr. med. Paul Cullen. Als „zynisch und völlig praxisfern“ bezeichnete Cullen den Hinweis im Schreiben der Gesundheitsministerin, dass „einsame Menschen oder solche mit einer Depression“ von der neuen Regelung ausgenommen werden sollten.

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