Organspende – Wer entscheidet über deine Organe?

Es werden viele Organe benötigt, aber es gibt nicht genug Organspender. Diese Zahlen, so heißt es, könne man erhöhen, wenn jeder automatisch Spender ist – es sei denn, er hat dem aktiv widersprochen (Widerspruchslösung). Die Widerspruchslösung wurde zuletzt 2020 abgelehnt.

Immer wieder befasst sich der Bundestag mit der Frage, wie die Zahl der Organspenden gesteigert werden könnte. 2019 trat eine Änderung in Kraft, mit der Krankenhäuser mehr Zeit und Geld für Organtransplantationen bekamen. 2020 wurde zudem ein Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft verabschiedet. Ziel ist, häufiger und strukturierter zur eigenen Entscheidung zu motivieren und diese rechtssicher zu dokumentieren, ohne am Grundmodell der Zustimmungslösung zu rühren. Daneben traten Neuerungen in Kraft wie ein bundesweites Organspende-Register, verstärkte Informationspflichten, und zuletzt eine Ausweitung der Möglichkeiten bei Lebendorganspende (März 2026).

Das alles hat bereits zu einer Steigerung der Organspenden geführt.

Brauchen wir trotzdem auch noch eine Widerspruchslösung?

Ist man anders tot, wenn man hirntot ist?

Stellungnahme der ALfA zur Widerspruchslösung bei der Organspende

Mehr Infos:

Anna Bergmann: Wissensdefizite in der Aufklärung über das andere Sterben von Organspendern und weitere Strategien der OrganbeschaffungApl. Prof.in Dr.in Anna Bergmann befasst sich in ihrem Artikel ausführlich mit Fragen in Bezug auf die Transplantationsmedizin, die nur selten den Weg in die Öffentlichkeit finden, und gibt Antworten, die unbequem sind.

Deutscher Ethikrat: Hirntod und Entscheidung zur Organspende – Der deutsche Ethikrat hat sich umfassend zur Hirntoddiagnostik geäußert und seine Positionen in diesem Infobrief dargelegt. Neben einer Mehrheitsmeinung, die den Tod des Hirns als den Tod des Menschen begreift, gibt es ein Minderheitenvotum, das den Tod dieses einzelnen Organs nicht mit dem Tod des ganzen Menschen gleichsetzt, aber bereit ist, zugunsten des hohen Guts der Organspende von der „Dead Donor Rule“, nach der der Organspender tot zu sein hat, abzuweichen. Diesem Votum zufolge stirbt der Spender an der Organentnahme.

Das wichtigste Buch zur Transplantationsmedizin ist:

Rainer Beckmann: Das „Hirntod“-Konzept und der Tod des Menschen. Eine Untersuchung aus der Perspektive prozessualer Beweiswürdigung. Nomos-Verlag, Baden-Baden 2025, 923 Seiten.

Ein hörenswertes Gespräch mit Rainer Beckmann zur „Widerspruchslösung“ finden Sie in dieser Folge unsres Podcasts „LifeTalks“.