Reproduktionsmedizin – Kinder aus dem Labor

Die Reproduktionsmedizin beschäftigt sich mit der Fortpflanzung des Menschen und hilft bei einem unerfüllten Kinderwunsch. Seit der Geburt des ersten Retortenbabys aus einer künstlichen Befruchtung („Befruchtung im Glas“ (Fachbegriff: In-vitro-Fertilisation) hat sich der Bereich der Fortpflanzungsmedizin in den vergangenen vierzig Jahren grundlegend verändert. Inzwischen können menschliche Embryos aus einer Ei- und einer Samenzelle im Reagenzglas hergestellt, per Präimplantationsdiagnostik (PID) untersucht, in die Gebärmutter der leiblichen oder einer Leihmutter eingepflanzt oder auch für eine spätere Verwendung eingefroren werden.

  1. Hormonbehandlung bei der Frau, um mehrere Eizellen gleichzeitig reifen zu lassen
  2. Reifung der Eizellen
  3. Entnahme der Eizellen (Punktion)
  4. künstliche Befruchtung im Labor (Samen von Spender oder Partner)
  5. Kultivierung (Entwicklung ca. 2-5 Tage außerhalb des Körpers der Frau) – zu diesem Zeitpunkt würde dann auch die Präimplantationsdiagnostik (PID) erfolgen
  6. je nach Ergebnis, werden die Embryonen entsorgt, für die Forschung verwendet oder eingefroren (Kryokonservierung)
  7. Einsetzung von 1-3 Embryonen in die Gebärmutter

Höhere Risiken für Erkrankungen
Die Analyse der Gesundheitsdaten von Kindern, die durch IVF entstanden sind zeigt, dass sie ein deutlich höheres Risiko einer Frühgeburt haben und zu einem späteren Zeitpunkt überdurchschnittlich häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Außerdem entstehen für die Mutter durch die Hormonbehandlung und die psychische Belastung auch deutliche Gesundheitsrisiken. Diese Entwicklung wirft eine Reihe ethischer Fragen auf, besonders in Bezug auf neue Techniken der genetischen Optimierung wie CRISPR/Cas, die beim Menschen (noch) nicht angewendet werden. Hierzu sollte der Gesetzgeber rasch Stellung beziehen.

Literaturtipps:

Die Position der ALfA e.V.

Bei allem Verständnis für das Leid ungewollt kinderloser Paare darf niemals das Wohlergehen des Kindes aus den Augen verloren werden, über dessen Leben bei einer künstlichen Befruchtung entschieden wird. Angesichts der gesundheitlichen Risiken für die Kinder empfehlen viele Experten, eine In-vitro-Fertilisation (IVF) nur noch dann in Erwägung zu ziehen, wenn wirklich alle anderen Möglichkeiten für ein Kind ausgeschöpft sind. Ein Kind nach der Zeugung einzufrieren und zu einem anderen Zeitpunkt wieder aufzutauen, wenn es besser in die Karriereplanung passt, lehnen wir ebenso ab wie alle Verfahren, bei denen Frauen als „Leihmütter“ zu Gebärwesen degradiert werden. Hierbei geht die intensive Bindung zwischen dem ungeborenen Kind und seiner Mutter verloren. Stattdessen sollte über ein vereinfachtes Adoptionsverfahren nachgedacht werden, um zumindest einen Teil der 100.000 ungewollten Kinder zu retten, die pro Jahr vor der Geburt getötet werden.