Seelsorge für das Leben – aktiv in der Kirche für das Menschenrecht auf Leben

Seelsorge für das Leben

Die Gründungsversammlung in Fulda – Bischof Bertram Meier: „Eine Große Koalition für das Leben“

Fulda. Diese Initiative ist gut und wichtig – zu diesem Schluss kamen die zahlreichen Teilnehmer der Gründungsversammlung der Seelsorger für das Leben, die sich am Freitag im Bonifatiushaus Fulda eingefunden hatten. Die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, ALfA e.V., Cornelia Kaminski, erläuterte in ihrer Begrüßung die Notwendigkeit der Initiative, die unter dem Dach der ALfA gegründet wurde: „Wir sehen mit großer Sorge, dass der Lebensschutz in der Gesellschaft eine zusehends untergeordnete Rolle spielt. Dabei muss es eines der ersten Anliegen der christlichen Kirchen sein, denjenigen eine Stimme zu geben, die keine haben – und deren Existenzrecht schlicht geleugnet wird, wie die Debatte um die Erlaubnis, für Abtreibungen werben zu dürfen, gezeigt hat. Aber wir sehen, dass es zahlreiche Seelsorger gibt, die unmittelbar mit den Nöten der von Abtreibung betroffenen Familien zu tun haben. Oder die immer häufiger mit den Todeswünschen schwer kranker Menschen konfrontiert sind.“ Das dies zutrifft, zeigte sich im lebhaften Austausch der Teilnehmer und den vorgetragenen Ideen und Wünschen: sowohl Vorschläge für Möglichkeiten, das Lebensrecht in Gottesdiensten zu thematisieren, als auch Material für Firm- und Konfirmandengruppen wurde erbeten, sowie konkrete Vorschläge, wie Klinikseelsorger durch Fortbildungen und Vernetzung dazu ermutigt werden können, christliche Aspekte verstärkt in die Krankenhausseelsorge einzubinden.

In seinem Impulsvortrag „Gott ist ein Freund des Lebens“ verwies der Diakon PD Dr. Dr. Kai Witzel darauf, dass am Beginn der Heilsgeschichte die Geburt eines Kindes steht – in Folge einer zumindest von seiner Mutter ungeplanten Schwangerschaft. Die innige, liebevolle Beziehung zwischen den Mitgliedern der Heiligen Familie, trotz aller widrigen Umstände, sei Beispiel dafür, dass Schwangerschaftskonflikte und Krisen mit Liebe überwältigt werden könnten. Eine zentrale Rolle komme hier dem Vater zu – in dieser Beziehung sei Josef, der Ziehvater Jesu, ein leuchtendes Vorbild für Väter in unserer Zeit.

Prof. Paul Cullen griff dieses Thema in seinem Vortrag „Männer und Abtreibung“ auf. Zunächst wies er anhand historischer Dokumente nach, dass die Abtreibungsindustrie ihren Ursprung in den männlich dominierten eugenischen Gesellschaften Amerikas und Englands hatte, denen es im Wesentlichen darum ging, vor allem die arme Bevölkerung zu reduzieren. Männer seien jedoch auch vielfach Opfer von Abtreibungen, da sie keinerlei Möglichkeiten hätten, ihr ungeborenes Kind gegen den Willen der Frau vor einer Abtreibung zu retten.

Die Versammlungsteilnehmer wählten Bischof em. Heinz Josef Algermissen zum Vorsitzenden der „Seelsorge für das Leben“ und PD Dr. Dr. Kai Witzel zum Stellvertreter, Schriftführer wurde Pfarrer Andreas Kuhlmann aus Jülich. Hartmut Steeb, ehemaliger Generalsekretär der evangelischen Allianz, war eigens zur Gründungsversammlung angereist. Zwei katholische Bischöfe – Bischof Bertram Meier aus Augsburg und Bischof Michael Gerber aus Fulda – hatten Grußworte gesandt, in denen sie die begrüßten. „Gerne unterstütze ich diese Große Koalition für das Leben“, so Bischof Meier. Bischof Gerber betonte, leider seien die Art und Weise der Diskussion, die wir derzeit in den USA um ein „sogenanntes Recht auf Abtreibung“ erlebten sowie die Debatten um den §219a StGB und die sogenannte Sterbehilfe ein weiteres Indiz für ein schwindendes Bewusstsein für die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum Tod. Beide wünschten der „Seelsorge für das Leben“ Gottes reichen Segen.

Der erste Schritt ist getan – jetzt schauen wir nach vorn!

Was brauchen Sie konkret als Seelsorger in Ihrer Gemeinde? In Ihrer Arbeit in Kliniken oder Seniorenheimen? Wie können wir Sie unterstützen?

Sie möchten sich einbringen? Wir planen Arbeitskreise zur Materialerstellung für  Konfirmanden- bzw. Firmunterricht, zu Materialien für Gottesdienste zum Thema „Lebensrecht“, zur christlich orientierten Ausbildung im medizethischen Bereich.

Schreiben Sie uns an seelsorge@alfa-ev.de!

„Denn der Geist, den Gott uns geschenkt hat, lässt uns nicht verzagen.“ (1 Tim 2,7)

Was soll das Ziel der Initiative sein? 

Wir vernetzen Seelsorger untereinander und geben ihnen durch Wort und Beispiel die Ermutigung, die sie brauchen, um die Pro-Life-Dimensionen ihres Dienstes zu verwirklichen.

Wir wollen kein elitärer Club von Seelsorgern sein, die mehr für das Leben eintreten als andere, sondern eine starke Gemeinschaft.

Wir wollen Zeichen und Ansporn für Gemeinden und Kirchenmitglieder aller Konfessionen sein, um sie zu ermutigen, sich für die Verteidigung der wehrlosesten Mitglieder der menschlichen Familie, der Ungeborenen, Alten und Kranken einzusetzen.

Wir wollen eine starke Gemeinschaft für das Leben bilden – innerhalb der Kirche.

Was wollen wir tun? 

  • Seelsorger, die sich in ihrem Dienst besonders für den Schutz des Lebens in allen Phasen einsetzen, vereinen,
    ermutigen und fortbilden;
  • ihnen ein Gefühl der Dringlichkeit vermitteln, die bedrohlichen Entwicklungen am Anfang und Ende des Lebens zu thematisieren und Gemeindemitglieder zu mobilisieren;
  • Geistliche und Laien dabei unterstützen, produktiv für den Schutz des Lebens zusammenzuarbeiten;
    der Pro-Life Bewegung in Deutschland seelsorglich zur Seite stehen;
  • die Kontakte in die Kirchen hinein verbessern, um führende Kirchenvertreter stärker für die Notwendigkeit
    eines Einsatzes für den Lebensschutz zu sensibilisieren.

Wir wollen den Beitrag der Seelsorge zur Kultur des Lebens leisten.

„Diese Initiative ist rundum gut und notwendig. Ich kann sie ganz und gar unterstützen.“

„In der Lebensrechtsbewegung empfinden wir schon lange, dass gerade unter den hauptamtlichen Seelsorgern ein neues Bewusstsein und Engagement erwachsen sollte gegen Abtreibungen – die weithin im privaten Bereich stattfindenden Menschenrechtsverletzungen erster Ordnung; zumal es offenbar immer mehr um sich greift, diese auch noch als „legitime Rechte“ zu postulieren. Herzliche Einladung daher zu dieser ökumenischen Initiative der ALfA!“

Ich freue mich, dass diese Initiative „Seelsorge für das Leben“ ökumenisch ausgerichtet ist und alle christlichen Konfessionen umfasst. Denn genau hier können und müssen wir als Christen gemeinsam unsere Stimme erheben. (…) Gern unterstütze ich diese „Große Koalition für das Leben“.

„Wir erleben hier, wie entscheidend wichtig Seelsorge und die Zuwendung aus einer Haltung des Glaubens sind, wie wichtig aber zugleich die Vernetzung mit weiteren Professionen und Diensten ist – für eine wahrhaft menschliche Kultur des Lebens.“