Perdigtvorschlag zu Aschermittwoch – Einsatz für das Recht auf Leben
Liebe Schwestern und Brüder,
am Aschermittwoch hören wir zwei Sätze, die uns mitten ins Herz treffen: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst“ – und: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ Mit diesen Worten beginnt die österliche Bußzeit, vierzig Tage der inneren Neuausrichtung, der Umkehr, der Rückkehr zu Gott mit ganzem Herzen.
Aschermittwoch stellt uns die Frage: Was trägt vor Gott wirklich? Wenn alles Äußerliche zerfällt, bleibt allein das, was aus der Liebe stammt. Die Fastenzeit ist deshalb keine fromme Zusatzübung, sondern eine Zeit, in der wir neu lernen, Gott an die erste Stelle zu setzen – und von dort aus den Menschen in seiner unveräußerlichen Würde zu sehen. „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider“, ruft der Prophet Joel – Gott will keine Show, sondern ein verwandeltes Herz, das anders denkt, fühlt und handelt.
Zu dieser Umkehr gehört untrennbar die Frage, wie wir mit dem Leben der Schwächsten umgehen. Die Kirche erinnert uns mit Nachdruck: Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes, vom ersten Augenblick seiner Existenz bis zum letzten Atemzug. Das beginnende menschliche Leben ist „mit höchster Sorgfalt zu schützen“, Abtreibung und Tötung des Kindes sind „verabscheuungswürdige Verbrechen“, weil sie das grundlegende Recht auf Leben verletzen. Wer an Ostern die Überwindung des Todes feiern will, kann nicht gleichgültig bleiben, wenn unschuldiges Leben entsorgt, relativiert oder zur Verfügungsmasse der Stärkeren gemacht wird.
Gerade in diesen Tagen erleben wir, wie in Europa versucht wird, das Menschenrecht auf Leben auszuhöhlen. Der Ausschuss für die Rechte der Frauen im Europäischen Parlament hat einen Bericht zur Bürgerinitiative „My Voice, My Choice“ angenommen, der ein EU-Finanzierungsinstrument für Abtreibungen fordert. Konkret geht es darum, dass EU-Steuergelder Abtreibungen finanzieren sollen – insbesondere auch für Frauen aus Staaten mit restriktiver Gesetzgebung, also faktisch um einen EU-finanzierten Abtreibungstourismus. Damit würde das Versprechen älterer Kommissionen gebrochen, EU-Mittel nicht für Abtreibungsdienste einzusetzen, und es entstünde massiver Druck auf Länder, die das Leben des Ungeborenen noch schützen.
Aschermittwoch ist ein Tag der Buße – aber christliche Buße macht nicht klein, sie macht wach und mutig. Umkehr bleibt nicht im Inneren stecken; sie sucht konkrete Gestalt im Einsatz für Gerechtigkeit, für die Armen, für die Schutzlosen – heute in besonderer Weise für die ungeborenen Kinder, ihre Mütter und Familien. Wer das Aschenkreuz empfängt, sagt damit auch: Ich will nicht mehr schweigen, wo Gottes Gebot „Du sollst nicht töten“ mit schönen Worten umgangen wird.
Darum möchte ich heute sehr ausdrücklich zu einer konkreten Tat der Nächstenliebe aufrufen. Nutzen wir unsere demokratischen Rechte und unsere Stimme, um das Leben zu schützen. Beteiligen Sie sich an der Unterschriftenaktion gegen ein EU-Finanzierungsinstrument für Abtreibungen und gegen einen EU-finanzierten Abtreibungstourismus. Das ist kein „politisches Hobby“, sondern gelebte Buße: eine konkrete Entscheidung, das Gute zu tun und das Leben zu verteidigen, wo es bedroht ist.
Fastenzeit heißt auch: unsere Prioritäten ordnen. Vielleicht kann für uns ein Fastenvorsatz sein, weniger Energie in Nebensachen zu investieren – und dafür bewusst Zeit zu nehmen für Gebet, für das Gespräch mit Betroffenen, für konkrete Hilfe für Schwangere in Not und für diesen Einsatz auf europäischer Ebene.
Schauen wir dabei auf Christus. In der österlichen Bußzeit geht er den Weg nach Jerusalem, den Weg der Hingabe bis zum Kreuz, um jeden Menschen zu retten. Sein Ja zum Vater wird sichtbar in seinem Ja zu den Kleinen, Kranken, Ausgegrenzten – niemand ist ihm zu unbedeutend, zu schwach, zu „unpassend“. Wer ihm nachfolgt, kann nicht anders, als auch das schwächste Leben in die Mitte zu stellen und dafür einzutreten, dass Europa ein Kontinent der Menschenwürde bleibt – von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod.
Bitten wir den Herrn, dass dieses Aschenkreuz auf unserer Stirn kein leeres Zeichen bleibt. Möge er unsere Herzen zerreißen, wo sie hart geworden sind, und sie neu formen nach dem Herzen Jesu, das sich für alle schlägt – für die Ungeborenen, ihre Mütter, die Zweifelnden, die politisch Verantwortlichen. Dann werden wir an Ostern nicht nur ein Fest im Kalender feiern, sondern ein wenig mehr von der Kraft seiner Auferstehung in unserer Gesellschaft spürbar machen – zum Schutz des Lebens und zur Ehre Gottes.

