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Wie „Men Having Babies“ die Elternschaft für schwule Paare, Singles und Transfrauen finanziert

Gesellschaft, Lebensforum, LebensForum Spezial, Leihmutterschaft

Das Gay Parenting Assistance Program (GPAP) von Men Having Babies ist ein zweistufiges Finanzhilfe‑Programm für schwule Männer und Trans-Frauen, die über Leihmutterschaft Eltern werden wollen. Es kombiniert Rabatte und gespendete Leistungen von Anbietern mit direkten Zuschüssen und wird überwiegend über Sponsoring‑Erlöse der Konferenzen sowie Spenden finanziert. Bewerber müssen einen Teil der erwarteten Gesamtkosten selbst aufbringen. GPAP versteht sich als ergänzende Hilfe, die Teile der Kosten – darunter auch das, was Agenturen für die Leihmutter aufwenden -– reduziert, aber nicht vollständig abdeckt.

Von Cornelia Kaminski

Für wen ist das Programm?

Bewerber müssen „Supporting Members“ von Men Having Babies  (MHB) „in gutem Stand sein“; die GPAP‑Bewerbung selbst ist kostenlos.  „In gutem Stand“ („in good standing“) bedeutet bei MHB, dass jemand eine aktive, ordnungsgemäß bezahlte Mitgliedschaft hat und keine offenen oder disziplinarischen Probleme mit der Organisation bestehen. Praktisch heißt das: der Mitgliedsbeitrag ist bezahlt, die Person hält sich an die Regeln von MHB und es liegt kein Ausschluss oder Ruhen der Mitgliedschaft vor. Heterosexuelle Paare, lesbische Paare oder Frauen sind ausdrücklich nicht Zielgruppe.

​Als „Applicant Parents“ (Bewerbereltern) zugelassen sind homosexuelle Männer sowie Trans-Frauen, jeweils entweder als Single oder gemeinsam mit einem männlichen Partner.

​Welche Kriterien gibt es für die Berücksichtigung der Bewerbung?

Einkommen: Das Jahreseinkommen muss unter einer von MHB festgelegten Grenze liegen („Income Eligibility Level“), für die Stufe II gilt eine noch niedrigere Schwelle. Konkrete Zahlen nennt MHB nicht auf der Homepage, sondern hält fest, dass diese Grenze je nach Wohnort, Haushaltsgröße und Kaufkraft angepasst wird.

​Alter: Mindestens ein Antragsteller muss zwischen 25 und 55 Jahren alt sein. Bei Paaren kann also auch einer der beiden Bewerber die Altersgrenze entweder deutlich unter- oder überschreiten.

​Kinderlosigkeit: Mindestens eine der Personen im Bewerberpaar darf noch kein eigenes Kind haben – allerdings reicht der Nachweis aus, dass formalrechtlich keine Elternschaft besteht.

​Wie funktioniert die Finanzierung ?

GPAP soll laut Selbstbeschreibung „den Aufbau einer Familie für schwule angehende Eltern erschwinglicher machen“, indem jährlich über eine Million US‑Dollar an finanzieller Unterstützung vermittelt werden. Das geschieht in Form von ermäßigten oder kostenlosen Leistungen durch mehr als hundert IVF‑Kliniken, Leihmutterschafts‑ und Eizellagenturen, Anwaltskanzleien sowie ergänzende Dienste (Medikamente, Treuhand‑/Escrow‑Services, Versicherungsberatung). Das Programm besteht aus zwei Stufen, die sich in Zugang, Intensität und Auswahlverfahren unterscheiden. Stufe I setzt dabei auf Rabatte, Stufe II auf direkte finanzielle Unterstützung.

Die direkten Geldzuschüsse (Stufe II) werden primär aus Sponsoring‑Einnahmen der MHB‑Konferenzen und Spenden von Eltern und Unterstützern finanziert. Damit sind zahlende Anbieter (Sponsoren) und zahlende Konferenzteilnehmer indirekt die Finanzbasis, aus der ein Teil der Kosten für ausgewählte Wunscheltern mitgetragen wird.

Stufe I  – der „Journey Booster“ (der “Reise-Turbo”)

Dieser Teil des Programms gewährt Zugang zu Rabatten, die die teilnehmenden Anbieter selbst festlegen. Das umfasst z.B. prozentuale Nachlässe auf Honorare von Agenturen, Kliniken und Anwälten, vergünstigte Medikamente, reduzierte Escrow‑Gebühren und andere rabattierte Services für einen einzelnen, klar definierten Leihmutterschaftsprozess.

 Stufe II  „Direct Assistance“ (direkte Unterstützung) 

Der zweite Teil des Programms wendet sich an eine kleinere, durch ein Auswahlgremium bestimmte Gruppe von Bewerbern und bietet wesentlich umfangreichere Unterstützung.

Es kombiniert kostenlose oder weitgehend kostenlose Leistungen von Partner‑Anbietern (z.B. Agenturhonorar, IVF‑Zyklus, bestimmte juristische Leistungen) mit direkten Geldzuschüssen von MHB, um das Budget der Bestelleltern zu ergänzen. Hinzu kommen kleinere „Cash Grants“, also direkte finanzielle Zuwendungen an die Besteller.

Die beiden Teile des Programms können nacheinander in Anspruch genommen werden.

Welche Auswahlkriterien gibt es?

Die Auswahl für Stufe I und insbesondere Stufe II erfolgt nach einem Punktesystem, das u.a. folgende Faktoren berücksichtigt:

  • Finanzielle Situation (Einkommen, Vermögen, Schulden, Lebenshaltungskosten)
  • Bei Paaren: Stabilität der Beziehung
  • Gesundheitliche Faktoren, Alter, bisherige Kinderwunsch‑Historie
  • Bereitschaft, an der MHB‑Community teilzunehmen und später Erfahrungsberichte zu teilen

Müssen die Bewerber nachweisen, dass sie sich als Eltern eignen?

Im deutschen Adoptionsverfahren wird die Eignung künftiger Eltern in einem mehrstufigen Prüfverfahren durch Jugendamt bzw. anerkannte Adoptionsvermittlungsstellen sozialpädagogisch, psychologisch, rechtlich und medizinisch beurteilt, ähnlich ist es in den USA. Eine solche Eignungsprüfung sieht das Programm von Men Having Babies jedoch nicht vor. Stattdessen nutzt die Organisation psychosoziale Interviews, Gesundheits‑, Finanz‑ und Hintergrunddaten, um zu entscheiden, welchen Bewerbern die knappen Stufe‑II‑Mittel zugetraut werden – also wer nach Einschätzung des Komitees den Prozess verantwortungsvoll und erfolgreich durchlaufen kann. Zu den geprüften Faktoren zählen:

  • Allgemeiner Gesundheitszustand und vorhandene chronische Erkrankungen.
  • Vermögenslage und Schulden, um einschätzen zu können, ob die Bewerber den Prozess realistisch finanzieren und später tragen können.
  • „Commitment and contemplation“: Wie gut haben sich die Bewerber informiert, welche Vorstellungen haben sie von der Leihmutterschaft, wie reflektiert sind ihre Pläne – besteht die Gefahr, dass sie aus dem Programm aussteigen könnten?
  • Grundsätzliche Fähigkeit, das Verfahren in 18–24 Monaten erfolgreich abzuschließen (dazu erfolgt eine Kreditwürdigkeit‑ und ggf. Aufenthaltsstatus‑Prüfung).

 Wer profitiert wie vom GPAP?

Bestelleltern: Sie erhalten reale Kostensenkungen – für viele sind schon  10–30% Rabatt auf zentrale Leistungen oder ein Teilzuschuss von einigen zehntausend Dollar der ausschlaggebende Faktor, um das Projekt „Leihmutterschaft“ überhaupt realisieren zu können.

Anbieter (Kliniken, Agenturen, Kanzleien): Sie präsentieren sich als sozial engagiert und „gay‑friendly“, erhalten aber über MHB Zugang zu einer großen, vorqualifizierten Zielgruppe, bei der die GPAP‑Rabatte oft an ihre eigenen, umfangreichen und kostspieligen „Full‑Service‑Pakete“ gekoppelt sind.

Men Having Babies: Die Organisation stärkt durch GPAP ihre Rolle als Gatekeeper (Torwächter)  des Marktes: Mitgliedschaft und Teilnahme an Konferenzen werden attraktiver, Sponsoren werden über Rabatte und Sichtbarkeit an die Organisation gebunden, und MHB gewinnt politischen und kommunikativen Einfluss als Stimme „der schwulen Bestelleltern“.

Insgesamt funktioniert GPAP damit als Rabatt‑ und Subventionssystem innerhalb einer kommerzialisierten Leihmutterschaftsindustrie und trägt entscheidend zu seiner Ausweitung bei.

9. Februar 2026
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https://www.alfa-ev.de/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-01-20-um-12.39.03.jpg 1232 1404 Cornelia Kaminski https://www.alfa-ev.de/wp-content/uploads/2026/01/ALfA-Aktion-Lebensrecht-fuer-Alle-eV-Logo.svg Cornelia Kaminski2026-02-09 11:07:552026-02-09 11:08:20Wie „Men Having Babies“ die Elternschaft für schwule Paare, Singles und Transfrauen finanziert
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